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Burschenschaften Testosterongesteuerter Größenwahn der Burschis

Viele der neuen Machos an der Macht in Wien sind Burschenschafter. Sie haben mit weiblichem Gegenwind zu rechnen: Der Kampf gegen das Patriarchat ist älter, als Burschen historisch vermerkt sind. Die Kolumne.

Burschenschaften
Die älteste Burschenschaft war eben nicht männlich - wer hätte das gedacht? Foto: imago stock&people (imago stock&people)

Die Männlichkeit steckt in einer tiefen Krise. Viele wissen längst nicht mehr, was es eigentlich heißt, maskulin zu sein, wobei das Feuilleton der „FAZ“ (März 2017) ihm gar sämtliche Zukunftsperspektiven aborakelt hat: dem Mann.

In Österreich bekommen sie von all dem Schlamassel wohl nichts mit, so könnte man meinen. Das Volk der Alpenrepublik wählte mit der FPÖ einen Männerklüngel ins Wiener Machtzentrum, der in Person des schmissigen Heinz-Christian Strache auch noch einen deutschnationalen Burschenschaftler der ersten Stunde („Vandalia“, im Alter von 15 beigetreten) als den Vizekanzler stellt.

Feministisch zementiertes Multikulti-Diktat

Im allerorts feministisch zementierten Multikulti-Diktat erscheint das als der gelungene Rollback ins Wohnzimmer des röhrenden Hirschen, doch sollte der wache Geist offen sein für eine weitere Deutungsvariante: Möglicherweise ist die Furcht vor patriarchalem Machtverlust dort besonders groß, wo an den Herrschaftsverhältnissen längst erfolgreich gesägt wird, gerade im Hinblick auf eine schlagende Verbindungsstruktur. Der Kampf gegen das Patriarchat geht demnach schon länger, als die rein männlichen Burschenschaften – die Rede ist von der Urburschenschaft 1815 – historisch vermerkt sind.

Die „Hysteria“, eine akademische Geheimloge, zu Wien von Kaiserin Leopoldine bereits 1810 gegründet, beansprucht die Urburschenschaften für sich und kann entsprechend als die Mutter aller Burschenschaften gelten. Hier ist Frausein für die Mitgliedschaft Pflicht, und auch wenn es die Herren nur ungern hören: Die vor Kraft und Ausdauer strotzende, unbarmherzige grausame Hyäne ist das Symbol, auf das sich der/die Bursche, so er/sie es mit der Tradition hält, zumindest im Ursprungs-kontext berufen müsste.

Sowieso dürften die wenigsten wissen, dass die Burschenschaft einer matriarchalen Seilschaft entsprang – weshalb das Pfauengebaren im pubertären Machostyle auch nichts weiter ist als schlecht von weiblichen Machtstrukturen abgekupfert. Das es auch noch nötig hat, Selbiges peinsam zu verleugnen.

Rechtsnationaler Klüngel der FPÖ hat es an die Macht geschafft

„Schwört bei der Hysteria-Ehre, schwört Ihr Burschen allzumal, blutbefleckt ist unsere Schere, unsere Scheiden sind aus Stahl, was wir schwuren, sei gehalten, treulich bis zur letzten Ruh, hört’s Ihr Junge, hört’s Ihr Alten, Patriarchen geht’s zur Ruh“, heißt es denn auch folgerichtig in der ersten „Hysteria“-Strophe, die in logischer Konsequenz die Vertreter eines jahrhundertealten Blendersystems zum Abdanken auffordert.

Doch trotz labiler Historie haben es die rechtsnationalen Klüngel der FPÖ, auch genannt die Partei des kleinen Mannes, an die Macht geschafft, weshalb die Forderung der „Hysteria“ nach einem globalen Matriarchat selten so zukunftsweisend war wie aktuell.

Der österreichische Autor und Journalist Hans-Henning Scharsach hat in seinem letzten Buch festgehalten: „Wer in Österreich Burschenschafter ist, von dem kann man voraussetzen: Er ist Antisemit, er respektiert den Arierparagraphen, er ist deutschnational, er ist damit explizit verfassungsfeindlich, und er ist ein rechtsextremer Politiker.“

„Hysteria“ hat er damit sicher nicht gemeint, sondern die Burschis, die aus Angst vor den Drohungen der Burschen der Hysteria in testosterongesteuerten Größenwahn flüchten und sich ihrer bröckelnden Machtposition immer stärker vergewissern müssen. Aber wahrscheinlich ist auch das einfach nur ein Schrei nach Liebe. Oder nach der Mama.

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