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Bundestagswahl Noch ist nichts entschieden

Bleibt Merkel Kanzlerin? Umfragen und viele Medien finden, das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 stehe fest. Das stimmt aber nicht. Die Kolumne.

Wahlplakate
Viele schreiben Martin Schulz bereits ab. Foto: dpa

Nach einer für die SPD verlorenen Landtagswahl meinte ein Redakteur des von mir geschätzten Deutschlandfunks: „Für Häme ist es noch zu früh.“ Inzwischen sind wir einige Runden weiter. Auch politische Kampagnen laufen meist nach den Regeln eines politischen Lehrstücks. Die Akteure in den Medien, samt Meinungsforscher – sie alle wollen mitbestimmen, mitregieren. In Wahlen oft mühsam errungene Mandate anstreben? Nein, danke.

Allerweltsnamen Schulz gegen Merkel

Getreu meines Grundsatzes, dass die Demokratie nicht an Langeweile sterben darf, trat plötzlich ein Mann in die politische Arena mit dem Allerweltsnamen Schulz, um der Dauerkanzlerin das ewige „Weiter so“ streitig zu machen. Er wurde gefeiert als Lichtgestalt und Heilsbringer, der den als undurchdringlich gewähnten „weißen Nebel wunderbar“ durchdringen und die von Niederlagen und Selbstzweifeln erschlaffte Genossenschar zu neuen Ufern führen würde. „Der Spiegel“ ließ Schulz auf einem Titelblatt bereits als „Sankt Martin“ strahlen.

Mag sein, dass vielen Journalisten die permanente Verweigerungshaltung der Kanzlerin nach dem Motto „Ich sage nichts, das aber mit Nachdruck“, überdrüssig geworden war. So erfrischend diese Phase, als hätte jemand die sprichwörtlichen Fenster geöffnet, auch war, sie währte nur kurze Zeit. Zyniker behaupten, man habe den Kandidaten nur deshalb so hoch gejubelt, um die Fallhöhe selbst bestimmen zu können. Ohne Martin Schulz gravierende Fehler vorzuwerfen, war es jedenfalls schnell wieder vorbei mit der freundlichen Begleitung. Aus dem Wunderknaben wurde der Bad Boy.

Oskar Lafontaine und der „Rudel-Journalismus“

Als Oskar Lafontaine noch Sozialdemokrat war, sprach er in vergleichbaren Situationen vom „Rudel-Journalismus“. Man muss diese Einschätzung nicht teilen. Auffällig bleibt der Gleichklang, mit dem ein medialer Chorus Mysticus den Gefeierten ins Tal der Tränen stieß. Wie oft die Berufsumfrager mit ihren Prognosen jüngst auch daneben lagen, sie unterfüttern nun die abwertenden Urteile.

Erfrischend ehrlich blies das „Handelsblatt“ zur Attacke auf den Kandidaten: „Deutschland will den Wechsel ... aber nicht mit Martin Schulz.“ Anders die „taz“. Mit gespieltem Mitgefühl analysiert sie einen Mitleids-Malus und vermutet: „Nervöse Abstiegsangst“ und bescheinigt ihm immerhin: „Eine ehrliche Haut“ zu sein. Die „Rhein-Neckar-Zeitung“ macht ihn zum „Don Quichote“ und „Die Zeit“ gibt sich besorgt: „Manchmal wirkt er so, als habe er die Niederlage schon eingepreist.“

Martin Schulz: die Niederlage eingepreist?

Auch wenn der Eindruck überwiegt, dass gegen „die Unbesiegbare“ kein Blumentopf mehr zu gewinnen und die Niederlage des Martin Schulz unabwendbar sei, kommen nach all dem nun Zweifel auf. „Die Welt“ spricht von „Merkel, der planlosen Kanzlerin“, die „FAZ“ orakelt: „Wirklich schon entschieden?“ Auch die FR bescheinigt Merkel: „Sie macht fast jeden Quatsch mit“ und „Niemand weiß, wofür sie steht“.

Doch während der „Stern“ Schulz in Gestalt eines Luftballons hat platzen lassen, im Cicero Bruder Martin neben der übermächtigen Angela zum Zwerg schrumpft, zitiert „Der Spiegel“ Wolfgang Schäuble, „dass die Wahl noch lange nicht gelaufen sei“. Deutlicher wurde Seehofer Ende Juli in einem Interview mit „Die Welt“: „Wir haben noch genügend Zeit, die Wahl zu verlieren.“ Die verbleibenden vier Wochen mit der Flut schönster Merkel-Fotos können lang werden. Entschieden ist noch gar nichts!

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