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Boris Palmer Der Anti-Anti-Rassist

Boris Palmer, der „Thilo Sarrazin“ der Grünen, hat seine Schwierigkeiten mit dem Anti-Rassismus. Die Provokation der linksversifft-empathiebesoffenen Gutmenschen ist sein Kerngeschäft. Unsere Kolumne.

Boris Palmer
„Nein, ich bin kein Rassist“, behauptet Boris Palmer. (Archiv) Foto: Imago/Michael Gottschalk

Eins muss man dem „Thilo Sarrazin“ der Öko-Partei lassen. Boris Palmer, grüner Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen, weiß, wie man Traffic in den sozialen Netzwerken generiert. Die Provokation der linksversifft-empathiebesoffenen Gutmenschen ist sein Kerngeschäft, die triggert er regelmäßig, wenn er beispielsweise ausländisch aussehende Jugendliche, die beim Schwarzfahren erwischt werden, abfotografiert und auf Facebook postet.

Der einkalkulierte Shitstorm ist Teil der Strategie, ermöglicht er ihm doch Aussagen wie „Ist es bereits rassistisch, bestimmte negative Verhaltensweisen einer Gruppe zuzuordnen? Ich bestreite das“. Um so etwas rauszuhauen, braucht es einen Grund, den ihm die Typen um Schwarzfahrer „Ali“ liefern, weil die eben einfach so sind, während die schwarzfahrenden Buben um „Jonas“ dummerweise ihre Monatskarten vergessen haben – zu kaufen.

„Demokraten sind keine Anti-Rassisten“

Palmer benennt nur die Dinge. Rassistisch ist er natürlich keineswegs, was er mit einem üblen Kommentar aus dem „Schwäbischen Tagblatt“ über Flüchtlinge aus Gambia zu unterstreichen versucht. Den postet er auf Facebook, um dem Blatt knallhart, aber zu recht, „Rassismus, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, AfD-Sprech“ zu attestieren.

Es scheint beinahe so, als habe der OB seinen Schwarzfahrer-Coup verdrängt. Beziehungsweise es scheint ihn eine andere Sorge umzutreiben: „Anti-Rassist werde ich bestimmt nicht. Offen gestanden: Das ist für mich eine abschreckende, intolerante Ideologie.“ Und weiter: „Nein, ich bin kein Rassist“, behauptet Palmer: „Demokraten sind keine Anti-Rassisten. (…) Es geht auch nicht um den Begriff, sondern die Ideologie, mit der er konkret gefüllt wurde….“. Oha, Anti-Rassismus, eine Ideologie?

Hier meint offensichtlich einer, er könne den Spieß umdrehen, denn eigentlich ist es Palmer, der Anti-Rassismus analog zur Neuen Rechten als Ideologie umdefiniert. Und damit einen Begriff verwässert, den die Blau-Braunen schon länger auf dem Index haben dürften – wer einer Definition bedarf, bemühe den Duden, schaue sich aber nicht auf Palmers Facebook-Seite um.

Dass der kein Anti-Rassist sein will, nimmt man ihm sofort ab. Unsexy ist es trotzdem, weshalb er fix mit einem Kniff die Rassismus-Vorwürfe ins Land der linksradikalen Ideologie überführt. Und selbstverständlich kann ein Oberbürgermeister schon einmal versuchen, die „Demokraten“ in Sippenhaft zu nehmen – die ja eigenlogisch auch keine Anti-Rassisten seien, weil sie mit dem links-ideologischen Pack nichts zu tun haben wollen. Linke Ideologie ist generell bäh und die rechte von Palmer eigentlich nur ein Anti-Anti-Rassismus. Respekt, Herr Palmer, diesen Dreh muss man sich erst einmal trauen.

An dieser Stelle ist aufschlussreich, dass der radikal rechte französische Philosoph Renaud Camus ähnliche Gedankengänge hat: „Der Antirassismus hat aufgehört, ein moralischer Wert zu sein, um eine Ideologie und sogar eine Indoktrination zu werden. Der Antirassismus (ist) eine Waffe von Machtausübung und der Unterdrückung“, formuliert einer der prominentesten Vordenker der rechtsextremen Identitären, der Rassismus als Tatbestand nicht anerkennt.

Ähnliches will man Palmer gar nicht unterstellen, obwohl er mit dem Anti-Rassismus so seine Schwierigkeiten hat. Es bringt hingegen nichts, seine Kritiker zu diskreditieren, indem man den Vorwurf umdefiniert. Solches Gemauschel hilft auch OB Palmer nicht aus der Rassismus-Ecke.

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