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Berlin Tegel Flughäfen in die Städte!

Ein Airport wie Tegel sorgt für bezahlbaren Wohnraum in Berlin. Das ist doch was - oder? Die Kolumne.

Berlin Tegel
Die mögliche Schließung des Flughafens Berlin Tegel löst bei den Berlinern einige Emotionen aus. Foto: dpa

Der Berliner hat Emotionen, wer hätte das noch für möglich gehalten? Werden Fantastilliarden an Steuern in der BER-Baustelle versenkt, macht er nur müde Witzchen. Muss er sechseinhalb Jahre auf einen Termin beim Einwohnermeldeamt warten, dann trägt er sich den Termin achselzuckend im Kalender ein. Selbst den achtmonatigen Winter erträgt er stoisch. Aber sobald das Gespräch auf den Flughafen Tegel kommt, gerät er in Rage.

Die Wut ist aber auch verständlich. Immerhin geht es um das Wohlbefinden Hunderttausender Betroffener, einfache Bürgerinnen und Bürger, denen nun ein Schicksal droht, das man nicht kampflos hinnehmen darf: Ein Taxi zum Flughafen würde sie nach der Schließung Tegels mehr als 25 Euro kosten. Unter Umständen wären sie sogar gezwungen mit der S-Bahn zu fahren. Wie im Mittelalter!

Ein Bündnis von FDP und Ryanair

Das gilt es zu verhindern, selbst wenn man nur alle paar Monate fliegt und man von der Friedrichstraße aus in 30 Minuten mit der Bahn in Schönefeld ist. Man verbündet sich für dieses Ziel sogar mit der FDP und Ryanair, auch wenn man sonst SPD wählt. Es spielt keine Rolle. Wir brauchen einen innerstädtischen Flughafen, daran wird nicht gerüttelt.

Und es ist auch nicht so, dass niemand an die 300 000 lärmgeplagten Anwohner denkt. Im Gegenteil. Sie profitieren doch am meisten! Im Gegenzug für Kerosingestank und 60 Dezibel bekommen sie nämlich billige Mieten, heißt es. Billige Mieten! Damit hat also ausgerechnet die FDP quasi nebenbei eine Lösung für den Mangel an bezahlbarem Wohnraum gefunden. Vergessen wir sozialen Wohnungsbau, Mietpreisbremse und Ferienwohnungsverbote. Wir brauchen nicht einen innerstädtischen Flughafen, wir brauchen viele.

Vier oder fünf sollten ausreichen und schon können wir uns alle die große Altbauwohnung mit Balkon und Stuck leisten. Ich sehe das schon vor mir: der Eisbär-Knut-Flughafen in Charlottenburg, der Montessori-Flugplatz in Prenzlauer Berg und der Berghain Airport in Kreuzberg-Friedrichshain. Vielleicht noch ein Hubschrauberlandeplatz im Weinbergspark oder auf dem Winterfeldtplatz.

Experten zufolge reichen die Kapazitäten des Flughafens Berlin-Brandenburg ja eh nicht, es ist also nicht nur wohnungs-, sondern auch verkehrspolitisch sinnvoll. Damit kommen wir endlich wieder unter die Zehn-Euro-pro-Quadratmeter-Grenze und wir können alle mit Kurzstreckentaxis zum Gate fahren. Niemand ist mehr gezwungen, in eine S-Bahn zu steigen.

Gut, einen Haken hat der Plan. Der Flughafenbau in Berlin funktioniert erfahrungsgemäß nicht besonders gut. Aber seien wir ehrlich: funktioniert die Wohnungspolitik etwa besser?

Dennoch, gesundheitsschädigender Lärm sollte natürlich nicht der Preis dafür sein, dass auch weniger einkommensstarke Menschen in der Stadt wohnen können. Wenn wir hierfür keine politischen Lösungen mehr erwarten, können wir auch gleich alle Ryanair wählen.

Dem Volksentscheid kann man gelassen entgegen sehen. Schließlich kann man sich auf die Solidarität und Rücksichtnahme der Berlinerinnen und Berliner verlassen. Ha, kleiner Witz, wir haben hier schließlich schon alle mal am Straßenverkehr teilgenommen. Dann aber können wir zumindest auf die Konsequenz und Verlässlichkeit des Berliner Senats setzen… Ach, ich merke schon, wir sind verloren.

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