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Antisemitismus Politischer Kindergarten

Wenn es um den Antisemitismus geht, heißt es oft, man solle nicht pauschalisieren. Das ist einfach nur kindisch - im günstigsten Fall. Die Kolumne.

Graffiti in der Uni Marburg
Antisemitismus sollte bekämpft und nicht pauschalisiert werden (Symbolbild). Foto: dpa

Infantilität in Sprache, Denken und Handeln erscheint immer dann, wenn in der Gesellschaft Probleme auftauchen, die besonders unangenehm sind. Wieder ist ein Fall von Antisemitismus in einer deutschen Schule bekannt geworden. Und wieder ist die Reaktion infantil und abwehrend. So sagte eine Politikerin dazu, Antisemitismus sei so schwer zu bekämpfen, weil Schulen nicht stigmatisiert werden wollen. Was? Ist das das Problem?

Stigmatisierung und Pauschalisierung, diese beiden Wörter werden immer dann häufig angewendet, wenn es darum geht, ein Problem zu leugnen. Im Osten Deutschlands während der 1990er Jahre, als die Neonazis prügelnd und mordend ihre befreiten Zonen markierten, begann die bundesweite Karriere dieser Wörter. Damit konnte einfach alles abgewehrt werden. Stigmatisierung und Pauschalisierung – das war und ist der Gegenvorwurf derer, die eigentlich wissen, dass stimmt, was da gesagt wird.

Nun gibt es ein jüdisches Kind weniger an einer deutschen Schule, weil es die Angriffe der muslimischen Mitschüler nicht mehr aushalten will. Vertreter der Muslime sagen, man solle nicht pauschalisieren. Und Vertreter von Lehrern, Schulleitern, Eltern wollen nicht stigmatisiert werden.

Beide weisen die Verantwortung ab und beide machen sich damit mitschuldig. Antisemitismus, ein importiertes Problem? Alle haben einen Anteil daran, die nicht aufrichtig damit umgehen.

Und noch etwas anderes klingt mir im Ohr. Bei Konflikten ertönt immer wieder ein Gejammer darüber, sich von der Politik „alleingelassen“ zu fühlen. Und von der Politik hört man andererseits das Gerede darüber, dass man „die Menschen abholen“ müsse.

Der Umgang mit Antisemitismus ist doch kein Kindergarten! Die kleine Lisa aus der mittleren Gruppe darf jammern, wenn sie sich alleingelassen fühlt. Und der Ismail mit dem Vögelchen am Kleiderhaken darf mit dem Füßen stampfend verlangen, jetzt sofort von seiner Mami abgeholt zu werden. Aber erwachsene Menschen?!

Selbstverständlich kann man etwas gegen Antisemitismus tun. Auch dort, wo die Kameras nicht hinschauen, weil es keine jüdischen Kinder gibt. „Ich töte Juden, wenn ich einen treffe“ ist auch in der offenen Jugendarbeit oder auf der Straße täglich zu hören. Und es gibt jede Menge Pädagogen, die das nicht so schlimm finden.

Vor allem, wenn sie sich selbst die Welt mit Namen wie Goldman Sachs und Rothschild erklären. Oder wenn sie finden, dass die Hamas in ihrem Hass auf Juden und Israel für Menschenrechte kämpft. Da kommt etwas zusammen, das sich sowohl in der muslimischen als auch in der mehrheitsdeutschen Gesellschaft breitgemacht hat.

Wer Antisemitismus bekämpfen will, soll es tun. Fangen wir einfach bei denen an, die ihn am lautesten leugnen. Ob das Muslime oder Mehrheitsdeutsche sind, ist dabei egal. Sie benehmen sich wie Ismail und Lisa, die sich gegenseitig mit dem Zeigefinger beschuldigen, wenn sie gefragt werden, wer das Buddelkastenförmchen kaputtgemacht hat.

Die Auseinandersetzung mit dem modernen Antisemitismus hat in Deutschland gerade erst begonnen. Alles, was Kinder und Jugendliche können sollen oder zu unterlassen haben, muss von den Erwachsenen gelernt und vorgelebt werden. Und zwar von allen, die in unserer Gesellschaft leben. Niemand sonst ist dafür verantwortlich. Alles andere ist Kindergarten.

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