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Antisemitismus Feindbild George Soros

Der Milliardär George Soros gibt das Feindbild ab, das Rechtspopulisten von Donald Trump bis Viktor Orban eint. Für sie steckt er hinter allem, womit sie Ängste schüren. Die Kolumne.

Antisemitismus
Rechte eint ihre Abneigung gegenüber George Soros. Foto: rtr

Man müsse mit hasserfüllten Drohungen umgehen wie mit einer verdächtigen Tasche, die verlassen auf einem Bahnsteig stehe, hat eine Lehrerin aus Pittsburgh nach dem Massaker in der Lebensbaum-Synagoge gesagt. Niemals dürfe eine potenzielle Gefahr ignoriert, niemals dazu geschwiegen werden.

Aus seinem Hass auf Minderheiten hatte der Attentäter von Pittsburgh kein Geheimnis gemacht. In sozialen Netzwerken amerikanischer Ultranationalisten verunglimpfte Robert Bowers Flüchtlinge als „Invasoren“ und Juden als „Feinde des weißen Volkes“. Geradezu besessen attackierte dieser bekennende Rassist vor allem HIAS (Hebrew Immigrant Aid Society), eine 1881 gegründete Hilfsorganisation, die einst vor Pogromen flüchtenden Juden aus Osteuropa die Einwanderung in die USA erleichterte und die heute Migranten jeglicher Religionszugehörigkeit unterstützt. Wie viele jüdische Gemeinden zählt auch die in Pittsburgh zu ihrem Förderkreis.

Noch am Samstagmorgen, bevor Bowers elf Juden in der Synagoge erschoss, hatte er seinen teuflischen Plan in kryptischen Worten gepostet: „HIAS will Eindringlinge reinbringen, die unsere Leute töten. Ich kann nicht zusehen, wie meine Leute hingeschlachtet werden. Stellt eure Optik scharf. Ich gehe rein.“

Verkappte Hetze gegen Juden

Die Ankündigung des blutigsten antisemitischen Anschlags in der US-Geschichte wurde freilich erst nach der Tat entdeckt. Doch das böse Omen stand an der Wand. Seit der Ära Donald Trump wagen sich die Anhänger einer weißen Vorherrschaft mit offener oder verkappter Hetze gegen Juden immer mehr.

Sicher, der Präsident der USA, der sich als großartigster Israelfreund aller Zeiten verkauft, macht da nicht mit. Trump zieht nur bei jeder Gelegenheit gegen George Soros vom Leder, den jüdischen Philanthropen – einer der reichsten Männer der Welt, der mit seinen als Hedgefondsmanager verdienten Milliarden NGO und andere liberale Projekte in fast allen Erdteilen unterstützt.

Soros gibt das Feindbild ab, das die Rechtspopulisten von Trump bis Orban eint. Für sie steckt er hinter allem, womit sie Ängste schüren: die Massenmigration nach Europa genauso wie aktuell die Flüchtlingskarawane in Mexiko Richtung USA.

Sozis und Soros - für Meuthen Feindbilder

Auch ein Jörg Meuthen, der angeblich gemäßigte AfD-Politiker, sprang schon auf die Diffamierungskampagne auf, als er ein Wahlplakat mit dem Spruch drucken ließ: „Teuer finanzierte Stimmungsmache – Sozis und Soros vereint im Kampf gegen unsere Bürgerpartei.“

Dass der 88-jährige gebürtige Ungar als Jugendlicher den Holocaust nur überlebte, weil sein Vater, ein Anwalt, die engsten Angehörigen mit falschen Papieren auszustatten vermochte, spielt für seine Gegner keine Rolle. Auf Soros wird ungeniert draufgehauen. Zumal Israels Premier Benjamin Netanjahu, der sonst nicht müde wird, vor islamistischem Judenhass zu warnen, über verbale Ausfälle gegen Soros stillschweigend hinwegsieht.

Nein, mit Antisemitismus habe das nichts zu tun, wird geschichtsvergessen seitens der Nationalrechten beteuert. Man hat ja nichts gegen Juden, solange die keine Trump-Verächter, keine linken Demokraten, keine kritischen Journalisten sind.

Dabei dient der Name Soros in braunen Dunstkreisen längst als Metapher für die „jüdische Weltverschwörung“. Da tickt etwas, das dringend entschärft werden muss. Nur hilft in diesem Fall kein ferngesteuerter Roboter, der eine herrenlose Tasche explosionssicher entsorgt.

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