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Amazon Noch ist Zeit bis zum Amazon-Bankrott

Der Amazon-Chef beschwört den Untergang seines Konzerns. Damit will er noch mehr Umsatz und Gewinn machen als ohnehin. Die Kolumne.

Jeff Bezos
Jeff Bezos ist Amazon-Chef. Foto: imago

In 30 Jahren könnte alles vorbei sein. Gerade noch feierte sich Amazon für einen Börsenwert von einer Billion Dollar, und der Chef selbst bilanziert – nicht zuletzt dank europäischer Steuervermeidungspolitik – sein Privatvermögen auf über 120 Milliarden, da beschwört er schon den Untergang des Onlinehandelsimperiums. Was will er uns mit dieser Todesdrohung sagen?

Die Botschaft lautet: Expansion um jeden Preis ist angesagt, wegbeißen, was im Wege steht. Um den Giganten noch gigantischer erscheinen zu lassen, wird gerade ein mobiles Zahlungsmodell entwickelt, damit zunächst an Tankstellen und in Restaurants auch mit dem Amazon-Kundenkonto bezahlt werden kann.

Die ersten Kreditkarten wurden in Verbindung mit Kundenabos ausgegeben – die Banken reagieren bereits unruhig, hat das „Wall Street Journal“ festgestellt. Und selbstverständlich soll auch das E-Quasselsystem Alexa irgendwie zahlungstauglich werden und die Transaktionen auf Befehl ausführen.

Unter normalen Umständen müsste ein Konzern, der mehr Personendaten sammelt als jeder Geheimdienst, von der Politik an die Leine genommen werden, um dem Überwachungskonsum und dem damit drohenden permanenten Missbrauch von Persönlichkeitsrechten zu begegnen. Ich frage mich auch, warum nicht einmal Ansätze von Kartellrecht in Stellung gebracht wurden, bevor der Monopolist, flankiert von Google und Facebook, zur Weltmacht auf dem digitalen Markt mutierte.

Die Gewerkschaft Verdi setzt immer mal ein Streikzeichen, um daran zu erinnern, dass Beschäftigte es verdienen, nach Tarifverträgen und nach Bedingungen des Einzel- und Versandhandels bezahlt zu werden, statt mit einer niedrigeren Vergütung der Logistikbranche.

Auch die Überstunden, die dem Kaufrausch des letzten „Black Friday“ geschuldet waren, brachten den Beschäftigten weniger Geld ein, als ihnen in tarifgebundenen Firmen zugestanden hätte. All diese Forderungen, denen auch in Spanien, Frankreich und Großbritannien mit Streiks Nachdruck verliehen wurde, lassen die Konzernführung nicht am Selbstlob zweifeln, sich immer wieder das Zeugnis eines „fairen und verantwortungsvollen Arbeitgebers“ auszustellen.

Regionen nah bei den Machtzentren der USA

Unverschämtes Selbstbewusstsein hat das Bezos-Team auch in einem angeblichen Wettbewerb gezeigt, bei dem sich US-Kommunen um einen Standort für eine zweite Hauptverwaltung des in Seattle ansässigen Konzerns bewerben konnten. Das Versprechen, 50 000 Arbeitsplätze zu schaffen, mobilisierte ein Jahr lang mehr als 200 Bewerber. Das Rennen machten New York und ein Vorort von Washington, D. C. – also Regionen nah bei den Machtzentren der USA.

Amazon profitiert davon, dass alle Bewerber mit den Ankündigungen besonderer Steuervergünstigungen und weitreichender Finanzhilfen ihre Standorte attraktiv erscheinen lassen wollten. Es hagelte Proteste von Bürgern und Kommunalpolitikern, die dem reichsten Konzern des Landes den bevorstehenden Raub von mehr als einer Milliarde Dollar aus öffentlichen Mitteln vorwerfen – Geld, das nicht in Schulen  und Wohnungsbauförderung investiert werden kann.

Noch ist Zeit bis zum Amazon-Bankrott. Der Onlineladen läuft so lange wie geschmiert, wie die Städte die größer werdende Zahl in zweiter Reihe parkender Pakettransporter und die Logistik-Probleme sich vermehrender Pick-up-Stationen und Lagerflächen bewältigen können.

Klaus Staeck ist Grafiker.

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