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Alice Weidel und Steve Bannon Die mediale Schleimspur der AfD

AfD-Politikerin Alice Weidel träumt von einem Medienkonzept, das sich an Breitbart und dem ehemaligen Trump-Berater Steve Bannon orientiert. Keine gute Nachricht. Die Kolumne.

AfD
Alice Weidel und Alexander Gauland in Aktion. Foto: dpa

Alice Weidel, die Frontfrau der AfD, war unzufrieden mit der öffentlichen Beachtung, die ihr Treffen mit Stephen Bannon vor zwei Monaten in einer Zürcher Hotelsuite gefunden hatte. Vor einigen Tagen legte sie gegenüber einem Korrespondenten der „Neuen Zürcher Zeitung“ deshalb noch einmal nach, um mitzuteilen, dass Deutschlands angebliche Alternative eine gewaltige Medienoffensive starten will. 

Während sich einige noch mit der Einrichtung eines „Newsrooms“ beschäftigen, der rund um die Uhr mit Parteipropaganda auf Sendung gehen soll, denkt Weidel schon weiter und träumt nicht nur davon, dass „die Deutschen irgendwann AfD und nicht ARD schauen“. Wer sich im Netz schon mal auf AfD-TV verirrt, wird mit Recht diese Prognose unter Fake News verbuchen. 
Aber es wäre leichtfertig, die Ambitionen von Frau Weidel zu unterschätzen. Bannon, Trumps ehemaliger Chefberater, tief gefallen nach dem Rauswurf aus dem Weißen Haus und der Verbannung aus seinem rassistischen Hetzportal Breitbart News durch die Geldgeber, ist jetzt unterwegs in Europa, auf der Suche nach neuen Bündnispartnern. 

Kampfgruppe der Blocher-Partei

Er sieht die „populistisch-nationale Bewegung“ in den USA und auf dem alten Kontinent auf dem Vormarsch. Seine Sympathien gelten dem Aufstieg der AfD, dem Brexit und dem Wahlausgang in Italien, der gerade die rechte Lega mit der unberechenbaren Fünf-Sterne-Bewegung zu einem abenteuerlichen Bündnis – mit Berlusconis gnädiger Duldung – vereint hat. 

Bannon wird wieder auftauchen, haben einige Beobachter befürchtet oder gehofft. Nun hat Roger Köppel mit seiner „Weltwoche“ nachgeholfen, den selbsternannten „staatszerstörenden Leninisten“ aus der kurzzeitigen Versenkung zu holen und gegen das mühsam zusammengehaltene Europa in Stellung zu bringen. 

Die neutrale Schweiz – oder, bleiben wir präzise, die Kampfgruppe der Blocher-Partei – fährt ein Geschütz auf, hinter dem sich die Internationale der Nationalisten versammeln soll. Was hat sich Weidel von ihrem Tete-à-tete mit Bannon versprochen? „Ich wollte von dem Besten lernen“, bekannte sie der „NZZ“. Die Herausforderungen, vor denen ihre Partei hierzulande in ihren Augen steht, musste sie ihm nicht beschreiben. Bannon war bestens informiert. Sie denkt an ein Medienkonzept, das sich an Breitbart orientiert und die AfD zum Auffangbecken einer Bewegung von „intellektuellen Kreisen, die uns ganz klar unterstützen“ macht. 

„Tichys Einblicke“ und „Die Achse des Guten“

Kein Wunder, dass sie die „Erklärung 2018“ sowie die Online-Plattformen „Tichys Einblicke“ und „Die Achse des Guten“ für die AfD vereinnahmt, da sie für die Politik der Partei „alimentierend wirken“. Jetzt wissen die Unterzeichner der Erklärung, die zahlreichen Juristen, Mediziner, Psychologen, Historiker und die restliche Akademikerschar, auf welcher Leimspur sie mit ihrer Unterschrift gegen die Flüchtlingspolitik gelandet sind. Auch andere Funktionäre der AfD, die sich für die neue Medienoffensive stark machen, fahren auf das große Vorbild Bannon ab, nennen sich „politisch engagierte Journalisten“, die eine mediale Gegenmacht aufbauen müssen, weil sie sich in einem Informationskrieg wähnen. 

Der Gegner, der aus dem „War Room“ heraus bekämpft werden soll, das sind die „Mainstream-Medien“, also der öffentlich-rechtliche Rundfunk, in dem sich die AfD nicht angemessen gewürdigt fühlt, die Presse, die den Rechtspopulisten immer noch mit Kritik und Aufklärung statt mit devoter Haltung begegnet.

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