Lade Inhalte...

AfD und Pegida in Dresden Danke für die Soap!

Der komische Mann mit Hut macht die Ereignisse von Dresden noch erträglich. Wegen ihm kann man über die seltsame Geschichte lachen. Die Kolumne.

Dresden
Der Mann mit dem Deutschland-Hut ist mittlerweile eine Kunstfigur. Foto: dpa

Der Mann mit dem Hut aus Dresden, der Tarifangestellte vom Landeskriminalamt (LKA) Sachsen mit seinem Gefuchtel vor den Kameras des ZDF, ist schon komisch. Sehr komisch sogar. Das Netz ist voll mit Spott über ihn. Dieser Mann symbolisiert so vieles von jenem hässlichen, aggressiven und schamlosen Rechtspopulismus, der die Stimmung im Land vergiftet. 

Der ganze Vorgang, die Situation, das Verhalten der Polizei – all das ist traurig, wenn der Mann mit dem Hut nicht so komisch dabei wäre. Die Menschen haben den Humor erfunden, um mit ihren Tragödien aus Schmerz, Verlust, Trauer und den vielen unlösbaren Konflikten daraus, die Frust, Verzweiflung und Verheerung hervorbringen, besser klarkommen zu können. Humor gibt Hoffnung, er löst das befreiende Lachen aus, er bringt immer etwas Kathartisches selbst in düstere Zeiten. 

Hätten wir den Humor nicht, wie sollten wir das alles verkraften? Seit vielen Jahren erleben Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, täglich frustrierende, empörende Dinge. Die Nazis – oder heute Rechtspopulisten – und was sie tun, sind dabei nur ein Teil des Problems. Denn was soll man von Nazis anderes erwarten, als dass sie eben Nazi-Dinge tun? 
Sie pöbeln, prügeln, morden. Sie sind, was sie sind. Schlimm genug. Doch das wirklich Furchtbare daran, ist wenn die Staatsmacht dabei versagt. Wenn sie wegschaut, duldet, Vorschub leistet. Wenn sie sich dafür auch noch selbstgefällig rechtfertigt. 

Wenn sie umgekehrt diejenigen beschuldigt, die angegriffen werden. Das täglich auszuhalten, hier dagegenzuhalten, ohne dabei bitter oder verrückt zu werden, ist eine wirklich große, menschliche Leistung. Und wie schafft man das am Besten? Mit Humor. 

Bei einem Glas Tee reden wir dann, Freunde und Kollegen, über solche seltsamen Geschichten, die wir andauernd erleben. Das Versagen des Staates ist dabei nur das eine. Da sind auch Geschichten von Diskussionsrunden, in denen wie selbstverständlich Geschichte relativiert wird und das in einem Maße, die einem mitunter die Sprache verschlägt. 

Dank an das ZDF

Da finden von offizieller Seite verständnisvolle Gespräche mit Wutbürgern statt, die dadurch allerdings nur noch wütender werden, weil es ja so gut funktioniert. Da ist der übliche Rassismus, der geduldet wird, ja verteidigt, falls jemand ihn zu anzusprechen wagt. 

Jeden einzelnen Tag geht das so. Nicht nur in Sachsen. Also sitzen wir da bei Tee und lachen darüber. Wir erzählen uns diese Dinge, als wäre es eine Soap-Opera, eine Serie mit banaler Handlung, die so plakativ, so kitschig und schlecht ist, dass sie am Ende einfach komisch sein muss. Soapig nennen wir solche frustrierenden Situationen und erzählen sie einander ungefähr so, wie es der Beitrag des ZDF mit dem Hutbürger tat. 

Man kann sich die Banalität kaum ausmalen, man kann sich kaum vorstellen, wie plakativ hier gegen jeden Anstand gehandelt wird, man kann kaum beschreiben, wie die handelnden Personen dabei agieren und aussehen. Jedenfalls nicht ohne dabei zu lachen. Freilich mit verzweifeltem Unterton. 

Eine Soap ist unfreiwillig komisch. Und genau das – im Überzogenen die Wirklichkeit in ihrer ganzen Tragik wiederzufinden – macht, dass wir über den Hutmann lachen. Sie macht das Leben ein wenig leichter. Ich danke dem ZDF für die Illustration dieses soapigen Moments!

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen