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Kolumne zu von Klaeden Der Abgang des Merkel-Boys

Eckart von Klaeden schwor einst, dem Wohle des deutschen Volkes zu dienen. Doch sein Adressbuch ist bei Daimler mehr wert.

Wann endlich erbarmt sich irgendein schwäbischer Mittelständler unseres EU-Kommissars Günther Oettinger? Foto: AFP

Gute Nachricht für alle Mercedes-Fahrer: Eckart von Klaeden wird sich bei Daimler nicht um den Einbau der Lenksäulen und Bremsen kümmern. Merkels mählich scheidender Staatsminister wird vielmehr die Abteilung Global External Affairs und Public Policy lenken. Sprich: Er wird ein hoch bezahlter Grüßaugust.

Welch hübscher CDU-Werdegang: Wilhelm-Gymnasium, Junge Union, Panzertruppenschule, Jurastudium, klar, dazu Mitglied der farbentragenden, fakultativ schlagenden Turnerschaft Gottingo-Normannia, der Kirche, der Adenauerstiftung, der Atlantikbrücke. Vielfache Verwendung als CDU-Bezirks-/Kreis-/Landesvorsitzender, -Präsidiumsglied, -Schatzmeister, -Abgeordneter. Kurzum: Keine Überraschungen.

Wenn der Merkel-Boy von Klaeden die Politik verlässt, wird die Hauptstadt nicht halbmast flaggen. Eher fragt sich: Was verspricht sich Daimler von einem, der stets adrett und alert daher kam, doch nie mit Ideen oder abweichenden Gedanken auffällig wurde? Selbst als Klaeden einmal George W. Bush kritisieren durfte, fügte er eilig hinzu, Bush habe sich vor allem im Irak-Krieg als lernfähig erwiesen und im Nahen Osten den Friedensprozess wieder in Gang gebracht. Was leider krachender Unsinn ist.

Klaeden ist kein Einzelfall. Seine Vorgängerin im Kanzleramt, Hildegard Müller, fand ihre Anschlussverwendung beim Verband der Energiewirtschaft. Sein Vorgänger bei Daimler, Martin Jäger, diente zuvor Frank-Walter Steinmeier in Kanzler- und Außenamt. Klaedens Bruder Dietrich ist im Hause Springer Leiter Regierungsbeziehungen.

Lukrative Wirtschaftsjobs

Beziehungen darum geht es. Deshalb rotiert die Drehtür. Nicht nur bei der CDUCSUFDP. Gefühlt die halbe Schröder-Truppe krönte ihr politisches Lebenswerk mit lukrativen Wirtschaftsjobs: die Herren Clement (Energie) und Eichel (Marketing), Schily (Sicherheit), Fischer (Energie); Bury (Banking, Consulting), Mosdorf (Consulting), Berninger (Süßwaren), Frau Fischer (PR), Frau Wolf (PR) und Frau Tritz (Tabak).

Auch der Ex-Kanzler höchstselbst singt bekanntlich längst das Lied derer, die zahlen, klempnert für Putin, diente als Türöffner des Ringier-Verlages und der Rothschild Investmentbank.

Sind solche Deals anrüchig? Im Prinzip ja. Manager leisten sich Ex-Politiker in aller Regel ja nicht, weil diese so sympathisch oder gar sachkundig wären. Sie nutzen deren Netzwerke, deren Herrschaftswissen. Die Wirtschaft kauft, oder sagen wirs netter: mietet Politiker wegen ihres Bekanntenkreises und/oder ihres Bekanntheitsgrades. Manchen Ankauf kann man auch als Trophäe herzeigen. Das steigert das Manager-Ego. Und befeuert unseren Fatalismus.

Ihr Wert: Sie kennen wichtige Entscheidungsträger, wissen, welche Strippen zu ziehen sind, wer welche Aufträge vergibt, wie eine Vorlage, ein Gesetz, eine EU-Initiative lanciert werden muss. Manchmal wissen sie überhaupt zuviel. Solches Knowhow wird mit erklecklichen Sümmchen vergolten. So verankern Großunternehmen ihre ungewählte Macht immer tiefer im politischen Raum.

Der Vollständigkeit halber: 1. Die Drehtür dreht rund. Goldman-Sachs etwa hat so viele Akteure bei Währungsfonds, Zentralbanken und in der Politik von Washington bis Athen platzieren können, dass manche schon von einem globalen Staatsstreich reden. 2. Sie dreht auch zwischen Journalismus, PR und Industrie. Kräftig. 3. Manchmal sehnt man eine solche Transaktion geradezu herbei. Wann endlich erbarmt sich irgendein schwäbischer Mittelständler unseres EU-Kommissars Günther Oettinger? Das wäre ein Segen.

Tom Schimmeck ist freier Autor.

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