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Kolumne von Paul Krugman Fox News bezahlt US-Republikaner

Der konservative Sender geht zunehmend dazu über, republikanische Kandidaten nicht nur zu unterstützen, sondern für sie zu werben. Auch die Tea-Party-Bewegung verdankt ihren Aufstieg der enthusiastischen Fox-Berichterstattung.

10.10.2010 21:48
Paul Krugman
Paul Krugman ist Ökonomie-Professor in Princeton und Träger des Wirtschaftsnobelpreises.

Tea-Party-Aktivisten, ihr seid im falschen Film. Ihr denkt, ihr spielt in „Die Geburt einer Nation“, aber ihr seid lediglich Statisten in einer Neuverfilmung von „Citizen Kane“. Es gab ein paar Änderungen: Im Original versuchte Kane, sich in ein hohes politisches Amt einzukaufen. In der neuen Version setzt er einfach Politiker auf seine Gehaltsliste.

Der Online-Dienst Politico berichtete kürzlich: Alle Präsidentschafts-Aspiranten der Republikaner für 2012, die nicht Mitt Romney heißen, würden von Fox News bezahlt. Nun ist es ja üblich, dass Medienmogule die Karrieren der Politiker fördern, die ihre Interessen bedienen. Aber den jeweiligen Favoriten direkt Schecks auszustellen, ist auf eine ganz neue Art unverfroren.

Die US-Konservativen sind halt zum größten Teil von Millionären und ihren Konten geformt. Sichere Bezahlung für die ideologisch Getreuen ist ein wichtiger Teil des Systems. Wissenschaftler, die die Existenz eines menschengemachten Klimawandels verleugnen; Ökonomen, die begründen, dass Steuerkürzungen für die Reichen Wachstum fördern; strategische Denker, die rationale Gründe für Wahlkriege liefern; Anwälte, die Folter verteidigen – sie alle können einem Netzwerk von Organisationen zugerechnet werden, das von einigen superreichen Familien bezahlt wird.

Diese Organisationen bieten schon lange Zufluchtsorte für arbeitslose konservative Politiker. So bekam beispielsweise Senator Rick Santorum einen neuen Job als Leiter einer Denkfabrik, der von den üblichen Quellen wie den Koch-Brüdern (Öl, Lebensmittel, Kunststoff) und der Coors-Familie (Bier) finanziert wird. Jetzt will Santorum, einer der von Fox bezahlten Mitarbeiter, Präsidentschaftskandidat werden. Anscheinend hält der Nachrichtensender Fox News es mittlerweile nicht mal mehr für nötig, so zu tun, als sei er unparteiisch.

Fox geht zunehmend dazu über, republikanische Kandidaten nicht nur zu unterstützen, sondern für sie zu werben. Die überraschende Gewinnerin der Senatsvorwahlen in Delaware, Christine O´Donnell, wird als Tea-Party-Kandidatin beschrieben, aber sie könnte glatt die Fox-News-Kandidatin sein. Das macht ohnehin keinen großen Unterschied: Die Tea-Party-Bewegung verdankt ihren Aufstieg der enthusiastischen Fox-Berichterstattung.

Der republikanische Politikanalyst David Frum bringt es auf den Punkt: „Republikaner dachten ursprünglich, dass Fox für uns arbeitet. Jetzt stellen wir fest, dass wir für Fox arbeiten.“ Das ist wörtlich zu verstehen im Fall all jener Präsidentschafts-Aspiranten, die nicht Mitt Romney heißen. Ein paar Tage später wurde Frum übrigens von seiner Denkfabrik gefeuert.

Das Propagandaministerium hat die Kontrolle über das Politbüro übernommen. Es geht nicht nur um Ideologie, sondern auch ums Geschäft. Die Koch-Brüder kauften die Freiheit, die Umwelt zu verschmutzen. Fox-Eigner Rupert Murdoch kauft sich die Art von Einfluss, die es ihm ermöglicht, eigene Regeln aufzustellen.

Man sollte also die Gehaltsschecks, die Sarah Palin als Fox-Kommentatorin erhält, als kleine Investitionen betrachten. Schließlich braucht ein Medienmogul immer mal Freunde in hohen Positionen. Und die zuverlässigsten Freunde sind jene, die wissen, wem sie alles zu verdanken haben.

Paul Krugman ist Ökonomie-Professor in Princeton und Träger des Wirtschaftsnobelpreises (Übersetzung: Nicole Lindenberg)

© New York Times

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