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Kolumne Oh Heimatland, warum bist Du nur so?

Keinen schlechten Wein trinken und unverblümt reden, findet der deutsche Duckmäuser-Mustermann verwerflich.

Fortbildungskurs zum Sommelier. Foto: dpa

Eigentlich wäre dies ja keiner Überlegung wert. Wer begnügt sich schon mit Schlechtem, wenn er auch Gutes haben kann. Irgendwer, im Zweifelsfall der knorzige W.C. Fields, soll mal gesagt haben: „I never drink water because of the disgusting things that fish do in it“. Nachvollziehbar. Der Pfälzer fragt sich nun, ob Fische es auch in der Schorle getrieben haben. Oder gar im Tresterschnaps, der ja immerhin auch zu mehr als der Hälfte aus Wasser besteht. Aber hat schon mal jemand in einem Tresterschnaps Fische irgendwelche Schweinereien machen sehen? Egal. Denn das soll nun nicht Gegenstand dieser Abhandlung sein.

Von selbigem W.C. Fields soll aber auch der Satz stammen „Life is to short to drink cheap wine“. Wer mag ihm da widersprechen? Gibt es irgendjemand auf der großen, weiten Welt, der gerne schlechte Weine trinkt? Okay. Skandinavier. Aber die trinken alles, wenn nichts anderes da ist.

Wein aus dem Tetra-Pack

Unlängst sprach ja ein Politiker, er würde nie eine Flasche Pinot Grigio für nur fünf Euro kaufen. Nein, es war nicht Weinkönigin Brüderle. Die fände sowas keiner Erwähnung wert, denn was selbstverständlich ist, muss nicht gesagt werden. Philipp Rösler ist für sowas noch zu klein, und Angela Merkel nimmt vermutlich nie Flüssigkeiten zu sich. Es war, wir wissen es alle, Peer Steinbrück. Und seither wird der Mann wegen dieser Aussage geächtet, sogar auf dem Titel des Magazins Spiegel. Aber was soll er denn sonst sagen? Ich trinke Wein nur aus dem Tetra-Pack, vom Aldi für 79 Cent der Liter? Und mein Lieblingsgericht sind kalte Ravioli, direkt aus der Dose, aber nur die guten der Marke „Ja“? Und wenn ich mit meiner Frau mal richtig was zu feiern habe, dann köpfen wir eine schöne Flasche Faber-Sekt? Wäre er dann glaubhafter?

Die Reihe lässt sich munter fortsetzen. Er benutzte seine Bahncard privat. Und? Ist doch eh schon bezahlt. Soll er der Bahn noch mehr Geld in den Rachen werfen? Er nahm Honorare für Vorträge. Und? Weiter? Wer würde das nicht? Außerdem tut er’s nicht mehr. Er findet, die Kanzlerin verdiene zu wenig. Und? Da hat er doch recht. Dann würde die sich vielleicht besser kleiden. Obwohl. Wenn man so an Claudia Roth denkt... Die investiert viel in ihre Gewänder. Und? Bringt’s was? Egal. Dennoch kein wirklicher Grund für das Steinbrück-Mobbing.

Lobpreise Hummerschwänze

Ausgerechnet zu seinem 66. Geburtstag am vergangenen Donnerstag ist er in der Beliebtheitsskala nun sogar hinter Westerwelle zurückgefallen. Keinen schlechten Wein trinken und unverblümt Stellung beziehen, findet der deutsche Duckmäuser-Mustermann also verwerflicher als Nichtstun, am Amt kleben und sich politisch unsichtbar machen. Oh Heimatland, warum bist Du noch immer so, wie Du bist?

Italiener und Franzosen lachen sich kaputt, wahrscheinlich schmunzeln sogar die Briten. Weil einer guten Wein mag, wird er von den Deutschen torpediert. Peer, da bleibt nur eins: Bleib so! Hau drauf. Sag weiterhin, was Du denkst und wie es ist. Schwärme von Sancerre und Château Pétrus, lobpreise Hummerschwänze und Kalbsbratwürste. Vielleicht geht ja doch irgendwann ein Ruck durchs Land, und die Wähler nehmen Vernunft an und Abstand von der Königsberger-Klopse-Kanzlerin mit ihrer Blubbersoßenpolitik. Und wenn nicht, ist Deutschland eh nicht mehr zu retten. Salute!

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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