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Kolumne Liebe Kollegen von der Bild!

Ein Rentner hat drei Nachbarn erschlagen. Hätte er einen Migrationshintergrund, hätte man eine Debatte. Von Mely Kiyak

28.03.2009 00:03
MELY KIYAK
Mely Kiyak ist freie Autorin in Berlin. Foto: FR

Ein Rentner hat zugeschlagen! In einem kleinem Ort bei Hildesheim hat ein Laubenbesitzer seine Nachbarn und dessen Sohn in blinder Wut so sehr verdroschen, bis alle drei dermaßen demoliert waren, dass sie an Ort und Stelle elendig verblutet und gestorben sind. Ihre Gesichter waren teilweise so entstellt, dass man sie kaum identifizieren konnte.

Ich vermisse den Aufschrei, die öffentliche Empörung. Wo sind die Kriminalpsychologen, die Sozialpädagogen, wo bleibt die Integrationsdebatte mit den dringend zu klärenden Fragen: "Was haben wir falsch gemacht? Kann man Rentner in unsere freiheitlich-demokratische Rechtsordnung integrieren? Wie kann man den offensichtlichen Werteverfall bei deutschen Rentnern stoppen?" Wir haben Wahlkampf, sollte dieser Fall nicht dringend thematisiert werden?

Was war passiert? Am 22. September letzten Jahres hat der Rentner Wilfried R., 66, in Gifhorn die Nase gestrichen voll gehabt. Von überhängenden Ästen über dem Zaun, vom Nichteinhalten der Laubenverordnung in abgetrennte Flächen von Zier- und Nutzgarten, vom unrechtmäßigen Naschen an seinem Brombeerbusch, vom unsachgemäßen Entsorgen der Gartenabfälle. Die Geplagten resignierten und zogen auf ein anderes Gartengrundstück. Doch Wilfried R. reichte das nicht. Er legte sich mit einem Stock, den er später als Knüppel gebrauchte, auf die Lauer und haute drauf. Vater, 64, Mutter, 59, und Sohn, 33, lagen blutüberströmt am Boden. Herr R. holte aber keine Hilfe, weil er davon ausging, dass die drei bald wieder aufstehen.

Nun also ist Prozessauftakt gewesen und ich bitte ganz besonders Ministerpräsident Roland Koch sich dafür zu engagieren, dass dieser Fall ein Politikum wird. Dafür muss er die Innenminister der konservativ geführten Länder aufwecken. Kameraüberwachung in Gartenkolonien, zentrale Notrufnummern für Opfer von brutalen deutschen Rentnerattacken, Resozialisierungsmaßnahmen für aggressive Alte, Einführung des Rentnerstrafarrests und Stammbaumerfassung über mindestens drei Generationen, um eventuelle Abschiebungen vornehmen zu lassen.

Außerdem müssen wir uns alle noch mal den demografischen Wandel vor Augen führen, damit auch noch die letzten "Generationenvertrag-Träumer" davon überzeugt werden, dass unserer Gesellschaft Bedrohliches bevorsteht.

Kolleginnen und Kollegen, Sonderberichterstattungen im Politik- und Feuilletonteil, sofort! Wir müssen namhafte Publizisten zu Wort kommen lassen, die das Thema weiter verschärfen. Anschließend hilflose Gegenposition von Ruheständlern.

Sie meinen, man dürfe nicht alle Rentner über einen Kamm scheren? Von wegen, Einzelfall. Schon 2004 warnte der Spiegel "Alt, dynamisch, kriminell - Immer mehr Rentner landen im Strafvollzug". Sie verstehen nicht, worauf ich hinaus will? Haben Sie schon vergessen? Ich erinnere an die Berichterstattung letzten Jahres, angesichts der "Münchner U-Bahnschläger". Damals wurde ein Rentner von einem griechisch- und einem türkischstämmigen Jugendlichen verletzt. Wir hatten über Wochen hinweg über "Jugendgewalt von Ausländern" gesprochen. Und da meinen Sie, es wäre absurd, diesen Hildesheimer Fall aufzublasen? Gilt die Regel nur für Täter mit Migrationshintergrund,

fragt irritiert, Ihre Mely Kiyak

Mely Kiyak ist freie Autorin.

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