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Kolumne Liebe Christine Haderthauer!

Bislang dachte ich, das C und das S in CSU seien Handlungsmaximen. Sind aber wohl aus Versehen so reingerutscht.

30.12.2010 14:38
Mely Kiyak

Der erste Tag des neuen Jahrs ist von der katholischen Kirche zum Tag des Weltfriedens ernannt worden. Sie ist verbunden mit der Friedensbotschaft des Papstes und wendet sich an „alle Menschen guten Willens“. Fehlender Frieden führt zu Flucht. Es sind die nicht gerade für Menschenrechte und Humanität berühmten Staaten wie Pakistan, Iran und Syrien, die mehr Flüchtlinge beherbergen als die EU.

Aus Bayern höre ich von Asylbewerbern, die mit Hungerstreiks auf ihre Lebenslage aufmerksam machen. Marode Gebäude, Kakerlaken, überfüllte Schlafstätten, nicht ganz einwandfreie Lebensmittel, fehlende Winterkleidung, die Liste ist lang. Meine Güte, die Genfer Flüchtlingskonvention spricht ausdrücklich von Schutz. Wenn Bayern in Mangelwirtschaft lebt, dürfen Sie doch keine Menschen aufnehmen! Zeitungen sprechen mittlerweile wie selbstverständlich von „Lagern“.

Die subjektive Wahrnehmung gewisser Leute, dass Deutschland mit Asylbewerbern überschwemmt werde, stimmt nicht. Deutschland steht auf der Liste der Asylbewerber pro Einwohner im europäischen Vergleich auf Platz 14. 1992 haben 438000 Personen in Deutschland um Asyl gebeten. In fast zwei Jahrzehnten ist die Zahl gesunken. Dieses Jahr wurden 37500 Anträge gestellt. Die Menschen kommen großteils aus den Krisenregionen Irak, Iran, Afghanistan und vom Balkan. Um Asyl bitten heißt noch nicht, Asyl zu bekommen. Im Schnitt werden 84 Prozent der Anträge abgelehnt. Beim Rest handelt es sich um ein kompliziertes Flüchtlings-Duldungs-Bleiberechts-Kuddelmuddel. Die Karriere vom Angekommenen über den Asylbewerber zum anerkannten Flüchtling dauert Jahre.

In Bayern wird man während des Verfahrens offenbar wie ein politischer Gefangener gehalten, obwohl es sich bei den Geflohenen nicht um Kriminelle handelt. Man darf seine Nahrungsmittel nicht selber einkaufen, man darf seinen zugeteilten Bezirk nicht verlassen, man wird, wie bei Gefängnissen üblich, außerhalb der Sichtweite von Stadtbewohnern in „Sammelunterkünften“ gehalten, man darf nicht arbeiten, hat keinen Anspruch auf Integrationskurse, man ist ein aussätziger Niemand, dessen Lebenszeit verrinnt. Ein solcher Niemand, dass selbst das von der Regierung festgelegte Existenzminimum für in Deutschland lebende Menschen um ein Drittel unterboten wird. In unserem Land leben 128000 Menschen, die wöchentlich eine Ration Lebensmittel und Hygieneartikel bekommen und monatlich pro Erwachsenem 40 und pro Kind 20 Euro. Angefangen von unserer Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über Parteien, Verbände und Landeskirche bis hin zu Bischof Michael Grabow aus Augsburg werden die Zustände kritisiert. Sie aber zündeln und feuern unablässig: „massenhafter Asylmissbrauch“ und „Wem es nicht gefällt, soll zurückkehren“.

Ganz schön mutige Kracher der Sozialministerin einer Partei, die nicht müde wird, ihr C bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Höhe zu strecken. Bislang dachte ich stets, das C und das S in CSU seien Handlungsmaximen. Sind wohl aus Versehen so reingerutscht.

Ich warte die Ansprache des Papstes ab. Dann die der Kanzlerin. Dann gucke ich Wetterbericht. Denn „mim Wind is leichd blasn un gegan Wind is schlechd brunzn“. Aber wem erzähle ich das …?

Ihre Mely Kiyak

Mely Kiyak ist freie Autorin.

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