Lade Inhalte...

Kolumne Khedira und Gercke - nackt unter Mullahs

Fußballer Sami Khedira und seine Freundin Lena Gercke sind wegen eines freizügigen Fotos in den Blick von Islamisten geraten. Um ein anderes Bild von Erotik geht es dabei nicht.

Lena Gercke und Sami Khedira. Foto: imago sportfotodienst

Ein prominenter Fußballer, ein nacktes Model, ein zweitklassiges Männermagazin, das die beiden auf die Titelseite bringt. So weit, so billig. Doch wenn tobende Islamisten dazukommen, die den unbedeckten Frauenkörper verdammen, wird die Geschichte politisch – und unangenehm. Denn wenn Islamisten toben, bleibt das meist nicht folgenlos.

Jasminrevolution, arabischer Frühling. Wer im vergangenen Jahr an Tunesien dachte, hatte den gelungenen politischen Umsturz vor Augen, die Flucht des autoritären Machthabers Ben Ali, den Abschied vom kleptokratischen Regime, das Vorbild für die Arabellion in anderen Ländern. Presse- und Meinungsfreiheit forderten die Aufständischen damals. Und jetzt sitzt in Tunis wieder ein Journalist im Knast.

Gercke nackt bis zur Taille

Ben Saida und seine Zeitung Ettounsia haben ein Bild von Sami Khedira und seiner Freundin Lena Gercke nachgedruckt und damit die guten Sitten gefährdet, behauptet die tunesische Justiz. Auf dem Foto ist das Model Gercke nackt bis zur Taille zu sehen, der deutsche Nationalspieler Khedira, voll angekleidet, bedeckt mit der Hand ihre Brüste.

Das Cover dient als Anreißer für eine Titelstory über das Paar in der Zeitschrift GQ. Weil Khedira in Tunesien sehr beliebt ist – er hat eine deutsche Mutter und einen tunesischen Vater – landete das Bild auch in der Ettounsia. Dieser Spaß kann den Journalisten Ben Saida für fünf Jahre hinter Gittern bringen.

Der Anlass der Erregung ist lächerlich, aber das stört Fundamentalisten bekanntlich wenig.

Khedira entsetzt über Festnahme

Sami Khedira, der als Vorbild für gelungene Integration im deutschen Fußball gilt, ist entsetzt über die Festnahme: „Ich finde es sehr, sehr traurig und schade, dass so etwas passiert ist.“ Das ist zwar eine durchaus angemessene Reaktion Khediras, allerdings sollte ihn außer unverbesserlichen Mullahs noch etwas anderes „sehr traurig“ machen.

Das Selbstbild, das er auf dem besagten Foto abliefert, zum Beispiel. Erotisch soll es daherkommen und eine große Liebe illustrieren. Dabei ist das Bild ungefähr so sexy wie eine Werbung vom Mediamarkt. Da steht Sami Khedira im Dinnerjacket mit weißem Hemd und schwarzer Fliege hinter seiner schönen Freundin, die nichts trägt außer blondem Haar. Die von allem entblößte Frau und der voll ausgestattete Mann ist ein derart abgeranztes Motiv, dass einem die Tränen kommen.

Nun ließe sich daraus gewiss ein sinnliches Spiel zwischen Subjekt und Objekt inszenieren, aber wohl kaum auf einem GQ-Cover. Und nicht mit diesen beiden Figuren, deren Prickelpotenzial einer tagelang vergessenen Cola gleicht.

Als Erotikstar ein glatter Versager

Dabei kommt es noch schlimmer. Wie ein Schüler, der zum ersten Mal eine nackte Frau berührt, umfasst Khedira seine Freundin von hinten und parkt seine gespreizte Hand auf ihrer linken Brust.

Grob wirkt das, besitzergreifend und gleichzeitig linkisch, als würde er die Konsistenz des Fleisches überprüfen. So möchte keine Frau angefasst werden, außer offenbar Lena Gercke, die mal bei „Germany’s Next Topmodel“ gewonnen hat.

Sami Khedira, so seine Fans, sei uneitel, intelligent und ehrgeizig. Interessant, wo diese Eigenschaften plötzlich abgeblieben sind. Der Mann soll Fußball spielen, als Erotikstar ist er ein glatter Versager. Vielleicht könnten die Mullahs ihm mal diese Botschaft zukommen lassen.

Bascha Mika ist Publizistin.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen