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Kolumne Hooligans und Gesinnungsmüll

Rechte Aufmärsche wie den von Köln muss die Demokratie nicht dulden. Gegen solchen Irrsinn helfen nur Verbote.

Hooligan: Das klingt zunächst harmlos, fast heiter, gar weltläufig. Fragt man bei Wikipedia nach der Bedeutung des Begriffs, ist schnell Schluss mit lustig. „Mit Hooligan wird im deutschen Sprachgebrauch eine Person bezeichnet, die vor allem im Rahmen bestimmter Großereignisse wie beispielsweise Fußballspielen durch aggressives Verhalten auffällt“. Zu deutsch: Hooligans sind Leute, die sich gern kloppen und sich gern mit anderen zur Klopperei verabreden.

So weit – so bekannt. An die steuerfinanzierten samstäglichen Begleithundertschaften der Polizei rund um die Stadien und in den Bahnhöfen der Republik hat sich die Öffentlichkeit gewöhnen müssen. Als nun der klamme Bremer Senat wenigstens einen Teil der hohen Kosten dieser Aufmärsche von König Fußball erstattet haben wollte, stieß dieses berechtigte Ansinnen auf empörte Ablehnung bei der Funktionärsriege der Millionärskicker, weil diese Aufgabe der allgemeinen Sicherheit geschuldet sei.

Und nun das. Ausweitung der Kampfzone nennt man das wohl: Die Sportarena, verlagert auf den Kölner Bahnhofsvorplatz. Das in dieser Dimension Neue: die neuerdings politisierten Fußballrowdys Arm in Arm mit rechtsradikalen Neonazis, im Ausländerhass vereint. Rechte Gesinnungsmüllparolen auf schwarzen Kapuzenpullis en masse. Formaler Anlass des generalstabsmäßig geplanten Massenauflaufs sonst eher verfeindeter Gruppen war eine Anti-Islamisten-Demo unter dem Motto: „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“.

Schaurige Auftritte im Rest der Republik

Diesen ganzen Irrsinn muss man erst einmal verdauen. Gewalttätige Hooligans „verteidigen“ zusammen mit den Schlägern der Neonazis, die Deutschlandfahne (!) in der Faust, unser Land gegen die „Gotteskrieger für den Dschihad“. Arme Republik. Mittendrin qua Amt in der nicht so groß erwarteten Menge der Militanten: die Polizei mit 44 Verletzten. Und was machen viele der verstörten Bürger – sie üben erst einmal Kritik an dem Einsatz jener Polizei, die wieder den Kopf für eben diese Bürger hinhalten musste. Als hätten die fernen Beobachter vorher genau gewusst, dass es an diesem Tag zur wohl größten Nazi-Zusammenrottung nach dem Kriege kommen würde, die das verbriefte demokratische Recht auf Demonstration für sich in Anspruch nimmt und frech missbraucht.

Zur Schlacht verabredet hatten sich die Gewalttäter über die „sozialen Netzwerke“, wie es heißt. Ist es gemein, wenn ich in diesem Zusammenhang beiläufig erwähne, dass zur gleichen Zeit gemeldet wurde, Facebook habe seinen Gewinn im letzten Quartal mehr als verdoppeln können? Um die politischen Verirrungen auf die Spitze zu treiben, versucht der inzwischen vom altlinken Konkret-Autor zum Verschwörungstheoretiker mutierte Jürgen Elsässer Herrn Luckes AfD die Hooliganszene als künftige Massenbasis anzudienen und wirbt im Netz für einen gemeinsamen Aufmarsch vor dem Bundeskanzleramt.

Ermutigt durch den Kölner Aufmarsch will die neue Gesinnungsgemeinschaft ihre schaurigen Auftritte im Rest der Republik wiederholen. Zur Wahl stand auch der 9. November in Berlin. Ausgerechnet an diesem Tag! Wem an der wehrhaften Demokratie etwas liegt, der muss für ein Verbot dieser Versammlungen eintreten. Schließlich ist das Demonstrationsrecht kein Freibrief für die erklärten Feinde der Demokratie jedweder Couleur. Mich beunruhigt, dass ich inzwischen nicht mehr sicher bin, ob die von den zuständigen Behörden zu erwartenden Verbote vor Gericht auch Bestand haben werden. Das sage ich als Jurist und bin gespannt.

Klaus Staeck ist Grafiker.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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