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Kolumne Die Springer-Vampire

Ein großer Verlag wähnte sich ganz oben angekommen. Nun ist er bedroht: Seine Feinde wollen ihn aussaugen.

Nikolaus Blome wechselt von der "Bild" zum "Spiegel". Foto: dpa

Allmählich erst dringt der teuflische Plan an die Öffentlichkeit. Lange hatten selbst Kenner den Umstand, dass seit geraumer Zeit in allen deutschen Blättern vermehrt Ex-Journalisten und -Manager der Axel Springer AG auftauchen, nur mit einem Achselzucken quittiert: Der neue Focus-Chef, der neue Geschäftsführer beim Verlag Madsack, der neue Twitter-Chef, die neue Klatschkolumnistin bei Bauer und und und. Ja, im Juni staunte man schon ein wenig, als Peer Steinbrück sich den „Pleite-Griechen“-Fresser Rolf Kleine von Bild als neuen Sprecher holte. Doch erst jetzt, mit der Berufung von Nikolaus Blome, Bilds zweitbestem Mann, zum Hauptstadthäuptling und Vizechef des „Spiegel“ wird es offensichtlich: Der Springer-Verlag wird systematisch ausgeblutet, von Konkurrenten und Neidern, von fiesen Feinden, die sich als Freunde gerierten. Es ist ein Komplott. Hier wird eine Säule der Republik systematisch ausgehöhlt.

Wie froh war man im lange verlachten Hause Springer über die späte Anerkennung. Passé schienen die tristen Zeiten, da das Meinungskartell der Hamburger Linkspresse die Republik in eisernem Griff hielt. Da „Stern“, „Spiegel“ und „Zeit“, angeführt von skrupellosen roten Ideologen wie dem kurzzeitigen FDP-Bundestagsabgeordneten Rudolf Augstein und dem Ex-CDU-Abgeordneten Gerd Bucerius den Geist des Vaterlands verwirrten. Endlich könne man „das von der SED-Propaganda geprägte Geschichtsbild Springers“ korrigieren, frohlockte Springer-Double Matthias Döpfner. Eine neue Springer-Ära schien heraufzuziehen. Die Axel Springer Akademie kam mit der Talentproduktion kaum nach. So stolz war der Verlag, als einziges deutsches Zeitungshaus eine feste Burg geblieben zu sein. Getreu einem großen Lehrsatz des Axel Caesars: „Es ist nun einmal mein Credo, dass ein Zeitungsverleger gar nicht mehr politisch indifferent sein darf.“

Sonnenstrand der Jauchegrube

Sein Wille geschah: Alle anderen wanken heute im Sowohl-als-auch. Springer aber steht. Für die Aufrechten, die Angela Merkel die Hand halten. Für wahre Hoffnungsträger von Guttenberg bis Sarrazin. Gegen Sozialschmarotzer, faule Südländer, den wirtschaftsmordenden Mindestlohn und diesen von Öko-Spinnern herbeiphantasierten Klimawandel. Wobei das weltoffene Haus auch Allianzen nicht scheute: Wacker – und leider erfolglos – kämpfte man mit „Spiegel“ und „FAZ“ gegen die „Schlechtschreibreform“.

Doch nun der Donnerschlag: All die neue Freundschaft – nur gespielt! Heimlich formierten sich die Feinde, dem großen Caesar posthum den Garaus zu machen. Ernüchterung, ja Bitterkeit erfasst die Lenker der Springer AG. Wachsam sind sie nun, ihre Augen weit geöffnet. Wer steckt hinter dem Vampir-Komplott? Die SED? Unwahrscheinlich. Die SPD? Wer weiß! Bild wird demnächst alle Details in einer fünfteiligen Serie ans Licht zerren. Titel: Geheimakte Blome.

Der Verlust des smarten Blome ist kaum zu verschmerzen. Ein Mann voll auf Springer-Linie. Und trotzdem telegen. „In zahlreichen Talkshows“, meldet ein Mediendienst „war er in der Rolle des eloquenten und seriösen Repräsentanten der Bild-Zeitung zu sehen“. Der Sonnenstrand der Jauchegrube. Blome ist konziliant, kann auf Menschen zugehen, selbst auf solche anderen Glaubens. Einen vielgerühmten Kommentar begann er mit dem Satz: „Nein, nicht jeder Moslem ist ein Attentäter.“

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