Lade Inhalte...

Kinderbetreuung Bloß nicht Kita statt Hartz IV!

Langzeitarbeitslose als Kita-Betreuer - die Idee von Ministerin von der Leyen ist blanker Unsinn. Kleinkinder brauchen gut ausgebildete und entsprechend bezahlte Fachkräfte und keine Lückenbüßer.

Erzieherinnen haben einen harten Job mit viel Verantwortung. Foto: dapd

Es klingt nach den berühmten zwei Fliegen und der einen Klappe. Deutschland fehlen Zehntausende Erzieherinnen. Fliege 1. In Deutschland leben Zigtausende Menschen von Hartz IV, die, auch wenn sie das bis jetzt selbst noch nicht ahnen, furchtbar gern den schlecht bezahlten und anstrengenden Beruf des Erziehers ausüben wollen. Und dann endlich dem Staat nicht mehr auf der Tasche liegen. Fliege 2. Machen wir also Hartz-Empfänger zu Kita-Betreuern! Tada, Klappe zu, Fliegen tot!

Doch wie viele Lösungen, die auf den ersten Blick so bestechend einfach scheinen, ist auch diese aus dem Hause von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen blanker Unsinn.

Die Betreuung von Kleinkindern ist kein Hilfsjob, den jeder ausüben kann und darf, der gerade nichts anderes zu tun hat.

Eine Ausbildung zur Erzieherin dauert mindestens drei Jahre, davon zwei Jahre theoretische Ausbildung und ein Anerkennungsjahr. Normalerweise werden ein mittlerer Schulabschluss sowie praktische Erfahrung vor Beginn der Ausbildung vorausgesetzt. Sollen die neuen Betreuer auch nur halbwegs vernünftig ausgebildet sein, werden sie also frühestens 2015 in die Kitas kommen. Sie wären keine Hilfe, wenn im August 2013 der neue Rechtsanspruch auf Kita-Plätze für unter Dreijährige greift.

Kein Beruf, sondern eine Berufung

Es geht aber nicht nur um Berufsausbildung, sondern um Berufung. Wer jeden Tag eine Horde Krabbelkinder nicht nur beaufsichtigen, sondern auch fördern und erziehen will, sich fürsorglich der Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes annehmen soll, braucht nicht nur starke Nerven, einen belastbaren Körper und das Organisationstalent eines Topmanagers – er muss vor allem schlicht und einfach Kinder mögen.

Die Hartz-IV-Empfänger, die von der Leyen im Auge hat, haben sich bisher nicht für diese anspruchsvolle Arbeit berufen gefühlt. Sie nun dazu verdonnern zu wollen, ist nicht nur im Interesse der Kinder wenig sinnvoll. Es läuft auch dem Grundrecht auf freie Berufswahl zuwider.

Politik hat das Thema verpennt

Zur Verteidigung von der Leyens und ihrer Kabinettskollegin Schröder kann allenfalls vorgebracht werden, dass die Verzweiflung angesichts Zehntausender fehlender Fachkräfte knapp ein Jahr vor Start des Betreuungsanspruchs riesengroß sein muss.

Die Politik hat das Thema Kinderbetreuung Jahrzehnte verpennt. Sie hat es versäumt, Erzieherinnen für anspruchsvolle Arbeit entsprechend zu entlohnen – und so neue Generationen von Jugendlichen für diese wichtige Aufgabe zu begeistern.

Von der Leyen und ihre Nachfolgerin als Familienministerin, Kristina Schröder, haben zu wenig in frühkindliche Bildung investiert. Diese Scharte ausgerechnet von Langzeitarbeitslosen auswetzen zu lassen, ist nicht nur rücksichtslos den Erwachsenen gegenüber. Auch die Kinder haben Besseres verdient, als womöglich von ein paar kaum ausgebildeten und mies bezahlten Lückenbüßern mehr schlecht als recht beaufsichtigt zu werden.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum