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Woanders gelesen Welt in Gefahr

Wolfgang Ischinger hat keine Antworten auf drängende Fragen

Wer das Buch wegen seines Titels kaufen möchte, sollte es nicht tun. Zum Thema „Welt in Gefahr“ hat Wolfgang Ischinger, geboren 1946 in Nürtingen, Topdiplomat und seit 2008 Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, nichts zu sagen. Von möglichen Zusammenstößen mit Asteroiden ist keine Rede in dem Band. Selbst Artensterben und Klimaentwicklung kommen bei ihm nicht vor.

Ischinger spricht über die Fragen der internationalen Sicherheitssysteme und deren Zusammenbrüche und Neugruppierungen. Interessant ist, dass ein mit der Materie seit fast vierzig Jahren vertrauter Experte zu keinem anderen Urteil kommt als jeder Zeitungsleser. 

Das ist ihm nicht anzulasten. Es macht eher deutlich, wie gewaltig der Umbruch ist, in dem wir heute leben. Die USA ducken sich weg. Nicht erst seit US-Präsident Donald Trump. China kommt. Genauer wird es nicht. Ischinger schreibt gerne von den USA als den Vorreitern der Menschenrechte. Dabei ist es doch so, dass sie vorführten, dass man die im Brustton der Überzeugung predigen und gleichzeitig Sklavenhalter sein kann.

Das Buch ist nicht leicht zu lesen. Ischinger nennt kaum einen Prominenten, ohne dazu zu sagen, dass es ein guter Freund von ihm ist. Er vergisst keine seiner guten Taten und schon gar nicht vergisst er, sie aufzuschreiben. Wer es schafft, durch diese schweren Schwaden der Eitelkeit hindurchzukommen, der landet zum Beispiel im Russland-Kapitel.

Da ist plötzlich so viel Klarheit. Ischinger zeigt, wie scharf Putin auf ein besseres Verhältnis zu Europa, zu Deutschland, zu USA und Nato war. Wie er aber, als auch Georgien und die Ukraine in die Nato wollten, sich mit einem Male umzingelt sah. 

Er hatte in allen Gesprächen gesessen, war über jeden Schritt informiert gewesen, hatte all die anderen Beitritte nicht gerade begeistert begrüßt, aber doch am Ende abgenickt. Als dann aber 2008 beim Nato-Gipfel in Bukarest erklärt wurde: „Georgien und die Ukraine werden Mitglieder der Nato werden“, da war es ihm zu viel. Am 4. April vor zehn Jahren wurde der neue Putin geboren.

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