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Woanders gelesen Potsdams Pferdedieb

Kluges Buch über die Geschichte einer Stadt.

Ein schönes, bilderreiches, klug gegliedertes, gut geschriebenes Buch über die Geschichte Potsdams. „Der erste uns namentlich bekannte Potsdamer war ein Pferdedieb“, setzt die Reise in die Vergangenheit ein. Es endet mit einer kleinen Bibliographie, in der zu meiner Freude auch Jochen Kleppers „Der Vater“ genannt wird. 

Dazwischen mehr als eintausend Jahre. Mehr als die Hälfte des Umfangs beschäftigt sich mit den jüngsten zweihundert Jahren. Davon knapp vierzig Seiten über das Potsdam der DDR. Potsdam stand für Aufklärung und für ihr Gegenteil, für Schönheit und Gewalt. 

Durch fast das ganze Buch läuft am Boden der Seiten der Text des Edikts von Potsdam aus dem Jahre 1685. So wurden hier einmal Fremde, Glaubensflüchtlinge willkommen geheißen. Ein Landesherr, der Willkommenskultur nicht nur behauptete, sondern betrieb. Wer freilich in Schwarz/Weiß-Klischees denkt, den wird die Lektüre dieses Buches dieses Vergnügens berauben. 

Joachim Nölte verführt dazu, sich immer auch die andere Seite anzusehen. Friedrich der Große hatte zwar erklärt, dass in seinem Staat „jeder nach seiner Fasson selig werden kann“, aber das ließ er sich gerne bezahlen. 

Juden wurden gezwungen,  pleite gegangene Unternehmen zu kaufen, sie wurden nach ihrer Nützlichkeit in verschiedene Klassen unterteilt. Das „Jeder“ darf keine Sekunde lang wörtlich genommen werden. Das Ende der 80er Jahre in Potsdam beschreibt Nölte zunächst mit den Worten: „Die Jobs waren sicher und es gab nichts, wofür es sich lohnte zu kämpfen.“

Aber dann kommt der Blick auf die andere Seite der Medaille: die Proteste vor allem der jüngeren Generation, die sich auch in Potsdam zu Worte meldete. Die Abbildungen sind fast durchgängig farbig und zeigen die historischen Orte so, wie sie heute aussehen. Der Autor ist wohl auch der Fotograf des Bandes. Er hat ihn auch gestaltet. 

Man hat selten ein Buch in der Hand, das so vielfältig – neben der historischen Erzählung in zehn Kapiteln noch zahlreiche Themen- und Personenkästen, Überblick verschaffende Tabellen und Listen – und gleichzeitig so aus einem Guss ist. Ein großes Vergnügen.  

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