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Woanders gelesen Neues Ziel, schwerer Weg

Der niederländische Autor Rutger Bregmann fordert die Einführung der 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen.

Wie kommt man hin? Der Autor ist Niederländer. Sein Buch hat den Untertitel „Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen“. Die holländische Ausgabe ist ein Bestseller, die englische in aller Munde.

Rutger Bregman hat recht. Allerdings hat er das schon sehr lange. Dass wir mit 15 Wochenstunden oder gar weniger auskommen könnten, um unseren Lebensstandard zu halten, hatten vor mehr als einem halben Jahrhundert schon andere beschrieben (Paul A. Baran und Paul Sweezy, „Monopolkapital“; Thomas Schmid, „Befreiung von falscher Arbeit. Thesen zum garantierten Mindesteinkommen“).

Das eigentliche Problem scheint weniger die Rechenaufgabe als vielmehr die politische Dimension des Vorhabens zu sein. Warum funktioniert es nicht? Bregman fügt den alten Wünschen jetzt noch die offenen Grenzen hinzu. Die machen die Sache, so scheint es, eher noch schwieriger.

Bregman schreibt: „Die Grenzen tragen mehr zur Diskriminierung bei als alle anderen Faktoren in der Geschichte der Menschheit (...) Ein Mensch, der in den USA unter der Armutsgrenze lebt, zählt zu den reichsten 14 Prozent der Weltbevölkerung. (...) Im Jahr 2009, als die Finanzkrise gerade ihren Lauf nahm, erhielten die Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs Bonuszahlungen, die dem Gesamteinkommen der ärmsten 224 Millionen Menschen auf dem Planeten entsprachen.“

Die Zahlen machen klar, dass es so nicht weitergehen kann, nicht darf. Sie machen aber auch deutlich, wer ein Interesse daran hat, dass es so weitergeht. Es wird alles davon abhängen, wem es besser gelingt, seine Interessen durchzusetzen. Das vergangene halbe Jahrhundert lässt einen wenig hoffen, dass dieses Einfache, das so schwer zu machen ist, diesmal werde realisiert werden können.

Aber es gibt allen Grund nicht nachzulassen in der Anstrengung, endlich weniger zu arbeiten, die Grenzen abzuschaffen und ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Erdenkinder einzurichten. Aber zu dieser Anstrengung müsste doch auch zählen, uns vor Augen zu führen, wie wir uns dorthin bewegen können, ohne einander die Schädel einzuschlagen. Auf die Ziele kann man sich schnell einigen. Die Wege dorthin bringen die Menschen gewaltig auseinander.

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