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Woanders gelesen Laufen befreit

Das Philosophie-Magazin widmet dem Wandern eine Sonderausgabe.

Das Philosophie-Magazin ist an fast jedem Zeitungskiosk zu haben. Platon, Laotse, Adorno, Derrida verlassen die Akademien und sind wieder dort, wo Philosophie entstand: auf Straßen und Plätzen. Man kann es in diesen Tagen vor einem Café oder auf der Liege auf dem Balkon lesen. Jetzt ist gerade ein Sonderheft herausgekommen zum Thema Wandern. Schon für die Liste der zu Worte kommenden Autoren würde der Platz hier nicht genügen.

Das Heft ist ein Produkt der Intelligenz der Philosophin und Journalistin Catherine Neumark. Der Leser würde nicht wandern, sondern rasen, wenn er es von Anfang bis Ende läse. Dafür ist es nicht da. Man blättert darin, bleibt hängen an Sätzen wie dem von Hans Jürgen von der Wense: „Wandern ist allen Diktaturen verpönt und verdächtig, weil es unabhängig und frei ist.“ Wer sich an die Diktatur der Wandertage seiner Schulzeit erinnert, weiß, wie viel Freiheit darin lag, sich vor ihnen zu drücken.

Das Heft ist nicht dazu da, jede Äußerung darin zu benicken. Es will anregen. Wenn der bald 88-jährige Michel Serres in einem Interview sagt, er spaziere noch heute jeden Tag mindestens eineinhalb Stunden, dann mache ich mich auf und gehe die halbe Stunde zu Fuß ins Büro. 

Aber schon heute Abend wird meine Faulheit Serres‘ Impuls abgestoßen haben. Es sei denn, ich erinnere mich an seinen Satz: „Der Körper desjenigen, der vor seinem Computer sitzen bleibt, beginnt verloren zu gehen. Doch sobald man sich erhebt und losläuft, aktiviert sich der eigene Körper. Gehen ist die Hälfte meines Metiers.“ 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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