Lade Inhalte...

Woanders gelesen Der gefährliche Weg

Flüchtlinge berichten von der beschwerlichen Reise in die USA .

Wir verfolgen derzeit jugendliche Flüchtlinge auf ihrem Weg durch Zentralamerika in die USA. Eine Gruppe, über die das Fernsehen berichtet, war vor zwei Tagen aus Nicaragua kommend in Honduras eingetroffen. Sie wird durch Guatemala und Mexiko reisen und einige von ihnen, die die Fahrt überleben, werden bald an der Grenze zu den USA stehen. Fernsehsender der USA verfolgen sie. Die einen weisen hin auf Not und Entbehrung der Flüchtlinge, für die anderen bedrohen sie das Land der Freien.

Der in Barcelona lebende mexikanische Autor Juan Pablo Villalobos, geboren 1973 in Guadelajara, interviewte 2016 in New York und Los Angeles zehn minderjährige Flüchtlinge, die ihm ihre Geschichten erzählten. In den fünf Jahren vor 2014 erreichten 189 000 minderjährige Flüchtlinge aus Mittelamerika die USA. 

Sie sind in Gruppen unterwegs, die immer wieder aus einander driften oder gar – wörtlich – zerschlagen werden. Die Kinder sind mit Schleppern – hier Kojoten genannt – oder allein unterwegs. Fünfzehnjährige haben Zehnjährige an der Hand. Jungen und Mädchen. Sie fliehen, weil sie es zu Hause nicht aushalten. 

Sie fliehen zum Beispiel aus El Salvador nicht weil es ein zerfallender Staat ist, sondern weil in zerfallenden Staaten auch Familien und Menschen zerfallen. Sie sind Produkte dieses Zerfalls. Sie sind aber noch stark genug, ihrem Traum von einem besseren Leben zu folgen. Einem Leben mit der Mutter oder dem Vater in den USA, die ihrem Onkel oder ihrer Oma Geld schicken, das denen dann von Banden gestohlen oder mit Gewalt weggenommen wird.

Auf dem Weg in die ersehnte Freiheit stoßen die Jugendlichen in Zügen in Veracruz auf Banden, die sich darauf spezialisiert haben, Flüchtlinge aus dem Zug zu werfen, wenn sie nicht zum bereits gekauften Ticket auch der Bande Geld zahlen. Die teilt sich dann die Beute mit Polizisten, die den Zug begleiten. Dank Villalobos können wir den Flüchtlingen zuhören.  

Juan Pablo Villalobos: Ich hatte einen Traum – Jugendliche Grenzgänger in Amerika, Berenberg, 96 S., 22 Euro.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen