Lade Inhalte...

Von guten und bösen Kritikern

Vorsichtiges Lob für das neue „Literarische Quartett“.

Das Fernsehen erinnert sich gern an sich selbst, und so lag ein Relaunch des „Literarischen Quartetts“ im ZDF nahe, nach dem vorläufigem Ende im Jahr 2001. Nun sollen es also Volker Weidermann, Maxim Biller und Christine Westermann sowie ein jeweils wechselnder bücherschreibender Mensch richten. Die Kritiker sind nach der ersten Ausgabe milde gestimmt.

Arno Frank stört sich auf „Spiegel online“ an der Hektik des Formats. „Und so füllt sich der Raum für die Romane mit den unterhaltsamen intellektuellen Eitelkeiten der Beteiligten, mit bissigen Einwürfen, trotzigen Widersprüchen, persönlichen Angriffen, vernichtenden Urteilen, eleganten Sottisen und überraschend zärtlichen Bekenntnissen. Das Kraftzentrum dieses Treibens ist eindeutig Maxim Biller, während Weidermann einstweilen eine eher schiedsrichterliche Stellung hält. Das Spiel ist ganz das Alte geblieben, und es läuft. Am Ende fühlen sich 45 Minuten höchstens nach einer allzu schnell verflogenen halben Stunde an. Schließlich würden auch 45 Stunden nicht ausreichen, um einen Roman ‚erschöpfend‘ zu besprechen. Vielleicht aber, ihn zu lesen.“

Matthias Dell moniert auf „Deutschlandradio Kultur“ die Rolle des angeheuerten Provokateurs. „Maxim Biller, Kolumnist, Romancier und integrierter Außenseiter des Literaturbetriebs seit über 30 Jahren, war erkennbar als Bad Guy gecastet, als jemand, der zuspitzen soll und zitierbare Sätze produziert. Von diesem Auftrag ergriffen, verlegte er sich bald darauf, die Gesprächsbeiträge der anderen zu sabotieren, vor allem die von Christine Westermann, was vielleicht das werktreueste Verständnis vom alten Quartett offenbarte. Das handelte im Grunde von zwei Männern, die Frau Löffler die Welt der Literatur erklären. Billers schnöseliges Mackertum wirkt im Jahr 2015 aber ziemlich langweilig. Und so war es an Christine Westermann, die eigentlich in der Nachfolge von Elke Heidenreich (‚Lesen!‘) als Anwältin der Leserin gecastet schien, den souveränsten Auftritt hinzulegen. Die erfahrene Fernsehmoderatorin ließ die vorgenommenen Attacken von Biller ins Leere laufen und hielt als einzige beim meistgelobten Buch des Abends, Karl Ove Knausgards ‚Träumen‘, dagegen.“

An Biller reibt sich auch Thomas Schmoll auf „n-tv.de“: „Er trat auf, als habe er den Begriff ‚apodiktisch‘ nicht nur für sich gepachtet, sondern als habe er ihn erfunden. Doch nie wirkte das aufgeblasen oder absichtlich auf Show getrimmt. Es ging ihm nicht darum, Westermann fertig zu machen. Der inhaltliche Streit ist ihm Herzenssache. Das kam rüber und erzeugte Spaß. Gut gemacht, ZDF. Wenn man dem Sender etwas vorhalten kann, dann, dass 14 Jahre vergehen und mit Reich-Ranicki und Hellmuth Karasek zwei bedeutende Kritiker sterben mussten, ehe die Sendung neu aufgelegt wurde.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen