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Unglaubliche Briefe

Nelson Mandela überrascht den Leser mit seiner Haltung

Im November 1962 kam der südafrikanische Kämpfer gegen das Apartheidsregime Nelson Mandela (1918-2013) ins Gefängnis. Im Februar 1990 wird er freigelassen. Dazwischen schrieb er Briefe an seine Frau, an die Kinder, Verwandte und Freunde, Mitkämpfer und Gesinnungsgenossen. Aber immer wieder auch Eingaben und Beschwerden. Mandela war Jurist. Er kannte seine Rechte und half seinen Mitgefangenen, die ihren durchzusetzen. 

War er denn nie niedergeschlagen? Hat er nie geweint, nie Mitleid mit sich gehabt? War er wirklich nie verzweifelt? Niemals schlaflose Nächte? Das fragt sich, wer in diesem Band liest, mit immer schrillerer Stimme. So viel Kraft, so viel Selbstbeherrschung, so viel Haltung! Es ist zu viel. Wir Weicheier und Warmduscher glauben diesem Buch nicht. So einer wie dieser Nelson Mandela, denken wir, kommt in unserer Spezies nicht vor. 

Am 10.2.1980 schreibt Mandela an seine jüngste Tochter Zindzi etwas über ihre Gedichte. Er beschreibt dabei einen alten, verdorrten Baum, den seine Tochter bedichtete, mit all der Empathie, die er für sich nicht aufzubringen schien. Oh, Mandela mochte sich. Daran besteht kein Zweifel. Das war die solide Grundlage seines Charmes. Aber dass er sich mochte, war so selbstverständlich, dass es kein Thema war, also war es auch die Verzweiflung nicht, und wohl auch nicht die Furcht, sich immer wieder falsch entschieden zu haben, als er dem Kampf nicht abschwor.

Das Exil wäre früh eine Lösung gewesen. Die Regierung wäre ihn liebend gerne losgeworden. Diesen Gefangenen, der sich nicht kleinkriegen ließ, der dafür sorgte, dass mindestens zwanzig Jahre lang die ganze Welt – naja, sehr viele in der ganzen Welt – sich dafür interessierten, wie es ihm ging und was man für ihn tun konnte. Nelson war natürlich nur sein „weißer“ Name. Beim traditionellen Initiationsritus hatte er den Namen „Dalibunga“, „Begründer der Bunga“ bekommen. Sein erster Vorname als Kind war allerdings „Rolihlahla“, „Unruhestifter“ gewesen.

Nelson Mandela: Briefe aus dem Gefängnis, C.H. Beck, 752 Seiten, 28 Euro.   

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