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Türkei Entsetzen über Erdogan

Die türkische Offensive in Syrien wird harsch kritisiert.

Deutsche Waffen
Die Türkei hatte Leopard-2-Panzer bereits im Kampf gegen den IS eingesetzt. Foto: dpa

Die Türkei hat ihre Offensive gegen Kurdenstellungen in Nordsyrien intensiviert. Und Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigt sich zum Durchhalten entschlossen.

„Le Monde“ analysiert: „Warum geht Erdogan das enorme Risiko eines Flächenbrandes in der Region ein, wenn die Trümmer des ‚Islamischen Staates‘ noch rauchen? Weil er um jeden Preis verhindern will, dass an der Grenze zur Türkei ein von Kurden kontrollierter Raum entsteht. Frankreich hat deshalb eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates einberufen lassen. Das Treffen ändert sicherlich nichts an der türkischen Offensive, aber damit wird zumindest klar, wie viele Unterstützer Erdogan hat. Die Bilanz ist schnell gezogen: Keine einzige Weltmacht steht hinter diesem unverantwortlichen Alleingang.“

Das norwegische Blatt „Verdens Gang“ findet: „Die kurdische Miliz in Syrien, die Erdogan Terroristen nennt, ist ein wichtiger Alliierter der USA und anderer westlicher Länder im Kampf gegen den IS. Die Offensive kompliziert die Versuche, eine politische Lösung in Syrien zu finden. (...) Gleichzeitig steuert der Präsident mit offenen Augen in eine Konfrontation mit den Interessen der USA in Syrien. Die Türkei hat einen gefährlichen Kurs eingeschlagen, wenn interne Kritik kriminalisiert wird und Ratschläge von Verbündeten ignoriert werden.“

Der „Standard“ ist entsetzt: „Donald Trump versprach Erdogan, die Waffenlieferungen an die Kurdenmiliz YPG zu stoppen. Er tat es nicht. US-Generäle kündigten dagegen den Aufbau einer Grenztruppe im Norden Syriens an. Die YPG würde das zentrale Element sein. Das war den Türken zu viel. Mit dem Angriff auf Afrin bricht die Türkei auch einen Krieg gegen den großen Rest des Kurdengebiets in Syrien los.“ 

„El País“ hält die Militäroffensive für gefährlich. „Mit seinem einseitig beschlossenen militärischen Abenteuer stößt Erdogan seine Nato-Verbündeten vor den Kopf. Seine Rechtfertigungen für die Militäraktion sind fast noch beunruhigender als die Intervention selbst. So hat Erdogan erklärt, er habe sich vorher mit Russland abgestimmt. Das aber würde bedeuten, dass die Türkei als Nato-Mitglied bei Militärschlägen außerhalb ihrer Grenzen direkt mit Moskau paktiert.“ 

„The Times“ kommentiert grundsätzlich: „Obwohl mehr als eine halbe Million Syrer umgekommen sind, 5,4 Millionen ins Ausland flohen und 6,4 Millionen zu Vertriebenen im eigenen Land wurden, sind die Protagonisten noch immer nicht von all den Kämpfen erschöpft. Solange das so ist, hat Diplomatie kaum eine Chance. Dennoch muss die Türkei verstehen, dass das Anfachen der Glut eines sieben Jahre alten Krieges ihr weder Sicherheit noch Wohlwollen einbringen wird.“  

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