Lade Inhalte...

Sterbehilfe Ärger über Sterbehilfegesetz

Die neue Regelung der Sterbehilfe wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe hat viele Kritiker, die vor einer Kriminalisierung der Ärzte warnen. Das schreiben die Medien:

Selbstbestimmtes Sterben fordern die Kritiker der Verschärfung des Sterbehilfegesetzes. Foto: dpa

Der Bundestag hat am Freitag ein Gesetz beschlossen, dass die geschäftsmäßige Sterbehilfe verbietet. Vereine oder Einzelpersonen dürfen künftig keine Beihilfe zum Suizid als Dienstleistung anbieten. Es drohen bis zu drei Jahre Haft, wenn etwa einem unheilbar Krebskranken geschäftsmäßig ein tödliches Medikament gewährt wird. Kritiker hatten vor einer Kriminalisierung von Ärzten und einer Einschränkung des Selbstbestimmungsrechts der Betroffenen gewarnt.

Der „Mannheimer Morgen“ ist enttäuscht. „Alles hatte so gut begonnen. Vor einem Jahr debattierten die Bundestagsabgeordneten erstmals engagiert und ernsthaft über das ethisch äußerst heikle Thema. Und nun das: ein Gesetz, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Das möglicherweise verfassungswidrig ist, weil es das Selbstbestimmungsrecht unverhältnismäßig einschränkt. Das Angehörigen und engen Freunden von Sterbenskranken erlaubt, diesen beim Suizid zu helfen – obwohl nur die allerwenigsten von ihnen wissen, wie ein schmerzfreier Tod überhaupt herbeizuführen ist. Diejenigen, die es wissen – die Ärzte – hingegen dürfen nicht helfen. Zumindest nicht mehr als ein Mal.“

Das verwundert auch „Die Welt“. Regeln für die Sterbebegleitung gebe es schon 150 Jahre. Tötung auf Verlangen sei seit jeher ein Verbrechen gewesen, aber „bisher war es nicht strafbar, einem Todkranken, der noch selbst dazu in der Lage ist, seine letzten Medikamente zu nehmen, bei der Beschaffung dieser Medikamente zu helfen. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass er an der Hand dessen stirbt, von dessen Hand er die Medizin bekommen hat. Ein bisschen Sterbehilfe ist erlaubt, aber demjenigen, der öfter als einmal dabei assistiert, droht womöglich strafrechtliche Verfolgung. Das wird nicht zu einem freimütigeren Umgang mit Sterben und Tod beitragen. Unsicherheit schafft keine offenere Diskussionskultur.“

Die „SZ“ schreibt: Nehme man die Zustände in vielen Pflegeheimen und Krankenhäusern in den Blick, wo immer noch die meisten Menschen sterben, „so müsste sich eigentlich eine allgemeine Empörung einstellen darüber, welche Art des Sterbens in diesem Land Tag für Tag zugelassen wird. Es mangelt, dies vorweg, den dort Arbeitenden gewiss nicht pauschal an Mitgefühl, viele Pflegerinnen leisten jeden Tag Großartiges. Doch in personell völlig unterbesetzten Heimen und Kliniken kann der Tod von Menschen oft nicht begleitet, sondern bloß verwaltet werden“.

Der Publizist Fritz J. Raddatz hielt auch angesichts dessen den Gegnern der Sterbehilfe, hier verstanden im Sinne eines ärztlich assistierten Suizids, „Infamie“ vor. Er verwahrte sich dagegen, dass irgendjemand ihm „diese letzte Würde nimmt“ und beendete sein Leben, vermutlich schwer erkrankt, ärztlich begleitet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen