Lade Inhalte...

Nadija Sawtschenko Kampf um eine Pilotin

Die Verurteilung der ukrainischen Soldatin Nadija Sawtschenko war symbolischer Natur, ihre Rückkehr in die Freiheit nicht minder. Für Sie gelesen.

Poroshenko empfängt die ukrainischen Soldatin Nadija Sawtschenko. Foto: REUTERS

Was die Bezeichnung Kampfpilotin bedeutet, wurde man unmittelbar nach der Freilassung der ukrainischen Soldatin Nadija Sawtschenko gewahr. Energisch wie ein Gummiball feuerte sie patriotische Parolen ins Mikrofon, nachdem sie fast zwei Jahre in russischer Haft verbracht hatte. Die Verurteilung war symbolischer Natur, ihre Rückkehr in die Freiheit nicht minder.

Christian Gottschalk ist in der „Stuttgarter Zeitung“ um Deutung bemüht: „Der Kreml versucht schlicht zu reparieren, was aus seiner Sicht völlig aus dem Ruder gelaufen ist. (...) Auf die mehr als wackelige Anklage gegen die Pilotin folgte so ein Urteil, das selbst für russische Verhältnisse eine ganz besondere Farce darstellt. (...)

Russland hat die Symbolkraft der immer wieder hungerstreikenden Kampfpilotin schlicht unterschätzt. Nun wurde die Reißleine gezogen. Als einzige Stichelei bleibt, Sawtschenko einen Tag nach dem Amtsjubiläum des ukrainischen Präsidenten nach Hause zu schicken, auf dass sich dieser nicht in ihrem Glanz sonnen mag. Auch das ist schief gegangen.“

Julia Smirnowa blickt in der „Welt“ auf die russische Rolle in dieser Affäre: „Sawtschenko wurde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin begnadigt, die beiden Russen vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Die Gefangenschaft und der Austausch von Sawtschenko sind symbolisch für diesen Krieg, mit dem Russland aus seiner Sicht gar nichts zu tun hat. Sie wurde in der Ostukraine gefangen genommen, illegal über die Grenze gebracht und in einem Schauprozess zu 22 Jahren Haft verurteilt. Russische Medien stilisierten sie zu einer Tötungsmaschine. Nach fast zwei Jahren im Gefängnis des Feindes wird sie nun in ihrer Heimat wie eine Nationalheldin und Märtyrerin empfangen. Die Ankunft von Alexandrow und Jerofejew, die vom russischen Fernsehen strikt nur als ‚russische Staatsbürger‘ bezeichnet werden, verlief dagegen still, fast klandestin.

Moskau beschweigt die Tatsache, dass seine Soldaten auf ukrainischem Boden kämpfen.“

Für die „Deutsche Welle“ interpretiert Bernd Johann ebenfalls die Hintergründe des Geschehens: „Sawtschenko ist noch nicht mehr als vielleicht ein kleines Indiz dafür, dass der Kreml politische Stolpersteine aus dem Weg räumen möchte. Und die Ukraine? Für die meisten Ukrainer ist Sawtschenko eine Heldin, die ihre Heimat tapfer gegen die russische Aggression verteidigt hat. Ihr Bild hängt seit Monaten am Rednerpult des ukrainischen Parlaments. Für Petro Poroschenko ist ihre Freilassung ein wichtiger politischer Erfolg, den er zwei Jahre nach seiner Wahl zum Präsidenten der Ukraine dringend braucht. Aber das ist kein Beweis, dass er endlich dazu bereit wäre, die in seinem Land unbeliebten Friedensvereinbarungen von Minsk im vollen Umfang zu unterstützen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum