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Für Sie gelesen Wo Demokratie gedeiht

Tilmann Bünz versammelt in seinem neuen Buch wichtige Nahaufnahmen aus dem Baltikum.

Ihren großen Auftritt auf der Weltbühne hatten die drei baltischen Staaten vor fast 30 Jahren. Der „Baltische Weg“ war eine der wohl bewegendsten Großdemonstrationen der Geschichte. Zwei Millionen Esten, Letten und Litauer bildeten am 23. August 1989, dem 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Pakts, eine Menschenkette. Fast 700 Kilometer war sie lang, quer durch die drei Länder.

Es war eine Manifestation des Zusammenhalts – und des Widerstands gegen die sowjetische Okkupation, die kurz darauf endete.

Es ist das Schicksal der meisten kleinen Staaten Europas, dass die breite Öffentlichkeit auf dem Kontinent abseits solcher historischen Ereignisse wenig Notiz von ihnen nimmt. Dabei lohnt das genaue Hinsehen. Seit ihrer Unabhängigkeit liefern die baltischen Länder den Beweis, dass liberale Demokratien auch unter widrigsten Bedingungen entstehen und bestehen können, wirtschaftlichen Verwerfungen und inneren wie äußeren Spannungen zum Trotz.

Tilmann Bünz war viele Jahre lang als ARD-Korrespondent Berichterstatter im Baltikum. Für sein aktuelles Buch – es ist die erste deutsche Publikation über das Baltikum seit 2011 – hat er die drei Länder erneut bereist. In kurzen Episoden porträtiert er die Gesellschaften, in denen mit der Unabhängigkeit alles vom Kopf auf die Füße gestellt wurde und die dennoch nicht den Halt verloren haben.

Bünz trifft junge Russen in Riga, die elegant zwischen vier Sprachen wechseln und unter keinen Umständen zurück wollen ins Land ihrer Eltern und Großeltern. Er besucht die estnische Insel Kihnu, eines der wenigen echten Matriarchate der Welt und ganz bestimmt das einzige mit Glasfaseranschluss – schließlich gehört es zu Estlands Selbstverständnis, digitale Avantgarde zu sein. Und er begleitet Aldona, Musiklehrerin aus Vilnius, die ihr karges Gehalt als Straßenmusikerin in Hamburg aufbessert – und die es doch irgendwie geschafft hat, ihrem Sohn die Promotion in Oxford zu ermöglichen.

Das Buch bietet Nahaufnahmen von drei Ländern, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Tilmann Bünz schenkt sie ihnen.

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