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Für Sie gelesen Wimmelbild

Klaus Brinkbäumers spannendes Panorama der gegenwärtigen USA.

Der Band hat 522 Seiten. Das „Personen- und Ortsregister“ führt, wenn ich mich nicht verzählt habe, die Namen von 631 Männern (476) und Frauen (155) auf. Das macht schon klar: Brinkbäumers Buch, das den Untertitel „Das Ende einer Freundschaft und die Zukunft des Westens“ trägt, bietet keine eingehende Analyse, sondern breitet ein Panorama aus. 
Das gewährt freilich immer wieder erhellende Einblicke.

4. April 2004: Blackwater- und staatliche Soldaten nebeneinander in Nadschaf. Ein Marine sieht einen Angreifer und bittet um Feuererlaubnis. Blackwater-Leute geben den Schießbefehl. Brinkbäumer zitiert den Dialog der Schützen: „‚Fuckin‘ niggers‘ – ‚Hey, all diese Ficker direkt vor uns.‘ – ‚Yeah, Mahdi-Ärsche.‘ Und Feuer, immer wieder die Schüsse. ‚Ihr Kerle seid schon tot.‘ ‚Es ist wie eine Truthahnjagd.‘ Irakische Zeugen sagen, die Amerikaner hätten in Nadschaf in die Menge Protestierender hineingeschossen; Hunderte starben.“

Der Krieg, das Showbusiness, der Sport, die Politik. Alles kommt vor. Vier Kapitel hat der Band. Eines von nicht einmal 40 Seiten „Der atlantische Graben“, 150 Seiten über New York, 300 Seiten „Das Land“ und etwas weniger als 40 Seiten „Die und wir. Fremde Freunde“. 

Gespräche mit Leuten aus allen Schichten, großartige Fundstücke, aber kein Gemälde, sondern ein Wimmelbild. Ein Buch, das – dank eines sehr detaillierten Inhaltsverzeichnisses – sehr dazu einlädt, nicht es, sondern darin zu lesen. Der Chefredakteur des „New Yorker“, einer der besten Analytiker der modernen USA, hat einen Auftritt in dem Buch. Nur: Er hat nur einen einzigen. Ein Status, den er mit Rainer Maria Rilke und Uwe Seeler teilt. Der ahnungslose Leser steht staunend vor solchen Gewichtungen im Buch des Chefredakteurs des „Spiegel“, der Jahre lang für das Magazin aus den USA berichtete. 

Aber natürlich begeisterten mich Passagen wie diese: Donald Trump, der sein Vermögen immer auf ein paar Milliarden Dollar beziffert hatte, klagte 2005 gegen einen Journalisten, der erklärte, Trump habe nicht mehr als 150 bis 200 Millionen. Vor Gericht erklärte Trump: „Mein Nettovermögen variiert, es geht hinauf und hinab, mit den Märkten und mit Ansichten und Gefühlen, auch meinen eigenen Gefühlen.“ Das ist die Welt eines Menschen, den die Welt da draußen ausschließlich als Erweiterung seiner Innenwelt interessiert. Seinen Kindern mag man das nachsehen. Bis zur Pubertät.

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