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Für Sie gelesen Vereinte Gegner

Juliana Ströbele-Gregor erzählt vom Leben von Nazis und Anti-Nazis.

Der Titel ist wenig geeignet, Leser anzulocken. Dabei hat das Buch „Transnationale Spurensuche in den Anden“ von Juliana Ströbele-Gregor alle Aufmerksamkeit verdient. Es analysiert das Zusammenleben oder auch Nicht-Zusammenleben der verschiedenen Gruppen deutscher Einwanderer in Bolivien. 

Es geht vor allem um die 1950er Jahre. Da sind die alteingesessenen Familien der deutschen Immigration aus dem 19. Jahrhundert und die, die nach dem Ersten Weltkrieg ihre Zukunft in Bolivien sahen. Dann gibt es deutsche Juden, die dank ihrer Flucht aus Nazideutschland überlebten. Und es gibt die jüngste Gruppe deutscher Immigranten: die Nazis.

Die Autorin analysiert nicht nur. Sie erzählt auch. Sie war neun Jahre alt, als ihr Vater 1952 Botschafter der Bundesrepublik in Bolivien wurde. Zu ihren Schulkameradinnen und Freundinnen zählte auch  Ute Altmann. Deren Vater war Klaus Barbie, der „Schlächter von Lyon“, der nach dem Weltkrieg für den US-Geheimdienst und den Bundesnachrichtendienst arbeitete und 1951 unter dem Namen Klaus Altmann nach Bolivien gegangen war. Der dortigen Regierung diente er in den 60er Jahren beim Kampf gegen die Guerilla und Che Guevara.

So sehr Nazis und Anti-Nazis auch getrennt voneinander leben: Sie stoßen immer wieder aufeinander. Eine Zehnjährige wächst so heran inmitten zweier verfeindeter Lager. Sie lernt, sich in den verschiedenen Milieus zu bewegen. Nach und nach beginnt sie, nach einer eigenen Orientierung zu suchen. Die Selbstfindung der Autorin ist nicht Thema des Buches, aber doch ein starkes Motiv darin. Der Leser erfährt, wie die verschiedenen Gruppen sich organisierten, wo die Nazis anzutreffen waren – zum Beispiel in der Deutschen Schule in La Paz –, welche Rolle der bolivianische Antisemitismus spielte. 

Juliana Ströbele-Gregor erinnert daran, wie NS-Ideologie und Nazis nicht nur die Gesellschaft Boliviens mitprägten, sondern die Diktatorenregimes in ganz Lateinamerika.

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