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Für Sie gelesen Unsere Freiheit

„Jenseits des Westens“ passt in die Debatte über Wertvorstellungen.

Stefan Weidner, geboren 1967, Arabist, Islamwissenschaftler, Übersetzer, Essayist plädiert in seinem neuesten Buch für ein Bewusstsein davon, dass wir alle in einer Welt leben. Dass wir alle also nur dann zusammenleben können, wenn wir uns mit den unterschiedlichsten Vorstellungen über das, was ist und das, was sein soll, auseinandersetzen. Weidner wendet sich energisch gegen die Vorstellung, es käme nur darauf an, die richtigen Werte weltweit durchzusetzen und es gäbe Frieden. Dieses Konzept, er nennt es Universalismus, sei zum Scheitern verurteilt.

Weidners neuer Kosmopolitismus ist kein anzustrebender Zustand, kein Endergebnis eines Kampfes, sondern er ist dieser Kampf selbst. Er ist die Auseinandersetzung, die wir mit Anderen und anderen Welt- und Wertvorstellungen führen, nicht um sie zu besiegen, sondern um uns klar zu werden über unser aller Wirklichkeit. Wir brauchen andere Sichten, wenn wir nicht untergehen wollen im Mief, der entsteht, wenn man niemals hinaustritt ins Fremde, niemals die Fenster öffnet für frischen Wind.

Stefan Weidner weiß, dass nicht jeder Wind, dem wir unsere Fenster öffnen, frisch ist. Aber wir können nur in der Auseinandersetzung mit uns widersprechenden Auffassungen unsere eigenen weiterentwickeln.

Stefan Weidner stellt sein „Jenseits des Westens“ mitten hinein in die politischen und philosophischen Debatten um Postmoderne und Posthistorie, die nach 1989, nach dem scheinbaren endgültigen Sieg des Westens, zu triumphieren schienen. Bis nicht nur der islamistische Terrorismus, sondern auch der Aufstieg Chinas und die Wiederentdeckung des Konfuzianismus Alternativen mobilisierten, die das westliche Modell in Frage stellten und stellen.

Weidners Buch endet weder hier noch dort. Es endet mit einem Ausblick auf Gandhi und die indische Tradition, in der Freiheit vor allem die Freiheit vom Handeln bedeutet. Dass aus dieser Philosophie die Taten eines der größten Freiheitskämpfers des 20. Jahrhunderts hervorgegangen sind, reizt Weidners dialektische Fantasie. 

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