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Für Sie gelesen Schneller zum Job mit Rad

Eine Kontroverse Debatte über Schnellwege tobt.

Die Zahl der Pendler in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf einen Höchstwert von 60 Prozent angestiegen. Die Bundesregierung will deshalb möglichst viele Autofahrer mit „Radschnellwegen“ zum Umsteigen animieren. Darauf sollen Pendler auf zwei Rädern, ohne an Ampeln oder Kreuzungen stoppen zu müssen, schneller als bisher ihren Arbeitsplatz erreichen können.

Die „Osnabrücker Zeitung“ meint: „Was großzügig klingt, ist in Wahrheit eine Frechheit. 25 Millionen Euro will das Verkehrsministerium in diesem Jahr investieren. Zum Vergleich: Laut Bundesverkehrswegeplan will die Regierung in den nächsten 15 Jahren rund 270 Milliarden in die deutsche Infrastruktur investieren. Das Wort ‚Fahrrad‘ taucht in dem knapp 200 Seiten dicken Dokument exakt zweimal auf. Das ist symptomatisch.“

Auch der Internetsender „Detektor fm“ zweifelt daran, dass sich das Vorhaben wie geplant umsetzen lässt: „Wie weit dieses Geld reicht, lässt sich nur schwer abschätzen – das hängt vom Terrain, anderen Gegebenheiten und der jeweiligen Planung ab – jedoch wird es sicher nicht reichen, um bundesweit alle Radschnellwege zu realisieren. Umsonst ist der Plan natürlich dennoch nicht. Da die Finanzierung von Radwegen zuallererst Länder- und Kommunensache ist, hat der neue Zuschuss auch eher einen symbolischen Charakter. Wichtig ist, dass das Thema auch finanziell, vom Bund Anerkennung bekommt und so eine vielleicht schon überfällige Entwicklung vorangetrieben wird.“

Die Volksstimme aus Magdeburg plädiert ebenfalls an die Kommunen und Länder sich stärker einzusetzen: „Gefragt sind vor allem die Städte, die von den Pendlern profitieren, aber zu wenig tun, ihre Verkehrsinfrastruktur anzupassen. Der Gesetzgeber und zerklüftete Besitzstrukturen haben den Planungsaufwand für die schnellen Schneisen sehr groß werden lassen. Die Planer in Städten wie Berlin oder Köln schaffen nicht einmal ihr Alltagspensum.“

Die „Märkische Allgemeine“ hadert mit dem Begriff „Fahrradautobahn“, der gleichbedeutend mit den Radschnellwegen aufkam: „Schon die Wortwahl deutet auf einen Mangel an Fantasie, wie er unter Deutschlands Stadtplanern und Verkehrspolitikern verbreitet ist. Dabei zeichnet sich ein Streckennetz für Radfahrer gerade durch die Abwesenheit von Autos aus. Straßen ohne Autos? Im Automobilstandort Deutschland fällt solch eine Vorstellung vielen schwer. Das aus den Sechzigerjahren herrührende Leitbild von der autogerechten Stadt ist fest verankert in den Köpfen. Heute, einige Jahrzehnte später, schlagen die Folgen dieses Leitbildes voll durch. Staus, Feinstaubbelastung, langwierige Parkplatzsuche, Lärm, Schmutz – all dies zeigt an, dass es an der Zeit ist für ein Umdenken, Umbauen und Umsteigen: aufs Fahrrad.“

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