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Für Sie gelesen Olympischer Friede

Und danach? Wie haltbar ist die neueste Annäherung zwischen den beiden Koreas?

Auf einmal ist alles wieder anders. Diktator Kim Jong Un sendet versöhnliche Töne aus Nordkorea: Fast harmonisch wirkte der Auftakt der Gespräche mit dem verfeindeten Bruderland Südkorea. Die Kommentatoren sind skeptisch, ob eine echte Annäherung in Gang kommt.

„Kim Jong Bluff“ hat Fabian Kretschmer seinen Kommentar in der „tageszeitung“ überschrieben. „Schon ein kurzer Blick ins Archiv zeigt, dass Nordkorea letztlich vor allem sein übliches taktisches Spielchen spielt“, schreibt er. „Seit Jahren provoziert das Regime scheinbar suizidal – nur um angeblich aus dem Nichts wieder der Diplomatie die Hand entgegenzustrecken.“

Kretschmer ist überzeugt, dass Nordkorea ohnehin versucht hätte, sich seinen Startplatz bei den Olympischen Spielen in Südkorea zu sichern. „Allein dass das Land nun mehrere Delegationen Richtung Süden schickt, darunter Politiker, Journalisten und die berühmt-berüchtigte Anfeuerungstruppe, belegt, dass die Vorbereitungen bereits seit Monaten laufen. Schließlich bietet das internationale Sportereignis eine rar gesäte Möglichkeit für ein isoliertes und geschmähtes Land, einmal für positive Schlagzeilen sorgen zu können – und zwar ganz ohne sich mit Zugeständnissen herumschlagen zu müssen.“

Ähnlich skeptisch ist man bei „Zeit Online“. „Dass sich aus dem Treffen ... eine Aussöhnung der beiden Koreas ergeben wird, darf allerdings bezweifelt werden“, schreibt Theo Sommer in seiner Kolumne. „Kims Neujahrsankündigungen haben sich schon zu oft als folgenloses Wortgeplänkel erwiesen.“

Für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ ist das Treffen dennoch ein „Signal der Hoffnung“. Mehr als schöne Bilder hätten ohnehin nicht herauskommen können. „Das Treffen hat gehalten, was sich beide Koreas davon versprochen hatten“, schreibt Peter Sturm. „Nun ist ein symbolischer (Neu-)Anfang gemacht.“

Sturm sieht allerdings die Gefahr, dass Südkorea sich im „nationalen Überschwang“ vom Norden übervorteilen lassen könnte. „Wenn es sich aber seine demokratischen Prinzipien nicht zugunsten ‚patriotischer‘ Parolen abhandeln lässt, wird sich der Norden noch wundern.“ Denn dann führe an einer Öffnung des Landes kein Weg vorbei. „Und dann hat Kim Jong Un nicht mehr alles unter Kontrolle.“

„Dabei sein ist alles“, kommentiert auch Stefan Ulrich in der „Süddeutschen Zeitung“ ganz olympisch. „Wo scheinbar nichts mehr zu gewinnen war im gefährlichsten Konflikt der Welt um das nordkoreanische Atomprogramm, darf die Diplomatie noch einmal Anlauf nehmen“, schreibt er.

„Das bringt gewiss noch keinen freien Austausch mit sich. Und es bedeutet schon gar nicht, dass der nordkoreanische Tyrann Kim Jong Un zum friedlichen Menschen mutiert ist. Aber es symbolisiert die Einsicht beider Seiten, dass dieser Konflikt auf keinen Fall mit Gewalt gelöst werden darf. Somit bleiben nur Begegnung und Gespräch. Die Spiele kommen dafür gerade recht.“

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