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Für sie gelesen Linke Haken

Andrea Ypsilanti plädiert für mehr Utopie in der Sozialdemokratie.

Andrea Ypsilanti ist als Fast-Ministerpräsidentin Hessens bekannt geworden, von den einen als linke Hoffnungsträgerin verehrt, von den anderen als Wortbrecherin gestürzt. Wer sich zehn Jahre danach neue Erkenntnisse über ihr Scheitern erhofft, wird von Ypsilantis aktuellem Buch enttäuscht, in dem sie ihre Perspektive wiederholt: dass in Wahrheit nicht ihre Wende in der Koalitionsfrage, sondern die Angst von neoliberalen Politikern und großen Unternehmen vor einer Politikwende die „Kampagne“ gegen sie ausgelöst hätten. Der Hessen-Abschnitt füllt gerade mal 15 Seiten.

Ausführlicher bedient werden Leser, die linke Haken gegen Neoliberalismus und Rechtspopulismus ersehnen. Die Soziologin teilt harte Schläge aus, vor allem gegen die SPD, der sie vorwirft, dem neoliberalen Zeitgeist hinterherzulaufen.

„Utopie“ – kaum ein Wort kommt so oft auf den rund 250 Seiten vor. Eine „radikale Reformphilosophie“ müsse „den Mut haben, das vermeintlich Unmögliche zu fordern“.

Zugleich brauche es konkrete „Programmatik“. Da liefert Ypsilanti weit mehr, als auf der politischen Bühne angeboten wird. Arbeitszeitverkürzung und eine gerechtere Verteilung der Arbeit müssten wieder auf die Tagesordnung, in Richtung 30-Stunden-Woche. Zugleich befürwortet die SPD-Politikerin eine „repressionsfreie Grundsicherung für Erwerbslose“ als ersten Schritt zum bedingungslosen Grundeinkommen. Ypsilanti verspricht sich davon gewaltige Veränderungen im Niedriglohnsektor. Entweder müsse deutlich höherer Lohn gezahlt werden oder die Arbeitgeber müssten humanere Arbeitsbedingungen vorweisen, um die Menschen trotz ihres gesicherten Grundeinkommens gewinnen zu können.

Auch im Kampf gegen die Wohnungsnot schlägt Ypsilanti eher sozialistische Wege vor. Angesichts von Wohnungsnot und Mietwucher müsse darüber nachgedacht werden, „Grund und Boden zu kommunalisieren“, schreibt Ypsilanti.

Das Buch ist ein scharfer Kontrast zur neuen Groko in Berlin. Ein „Weiter so“ hält die linke SPD-Frau für gefährlich. „Eine neoliberale Globalisierung, die die Menschen teilweise überfordert, die Vernachlässigten ausgrenzt und die sogenannten Eliten immer verantwortungsloser handeln lässt, wird böse enden“, schreibt Ypsilanti. Am Horizont zeigten sich „zu viele Analogien zur Weimarer Epoche“.

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