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Für Sie gelesen In der Wagenburg

US-Präsident Trump trennt sich ständig von moderaten Kräften.

Die Führungsmannschaft um US-Präsident Donald Trump verändert sich nahezu täglich. Nachdem er vor wenigen Tagen einen wichtigen Wirtschaftsberater verlor, warf Trump nun seinen Außenminister raus.

Dazu schreibt „Die Presse“ aus Wien: „Der Abgang Tillersons ist nur folgerichtig. Er war nicht wohlgelitten an Trumps Hof und hatte zu wenig Macht, um dessen Außenpolitik zu beeinflussen. Eine solche Kombination ergibt auf Dauer keinen Sinn. (...) Trump hat nun keinen Chefdiplomaten mehr, der ihn bremst. Das wird die Welt nicht unbedingt sicherer machen.“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ vermag keinen großen Verlust zu erkennen. „Vermutlich war die Konstellation von Beginn weg allzu ungünstig: Dem außenpolitischen Novizen Trump sollte mit Tillerson ein politischer Amateur zur Seite stehen. Kein Wunder, wirkte Amerikas Außenpolitik seit vergangenem Jahr amateurhaft. Der designierte Nachfolger Pompeo ist zwar im Unterschied zu Tillerson ein mit allen Wassern gewaschener Politiker. Aber auch Pompeo wird sich darauf einstellen müssen, regelmäßig durch Tweets des Präsidenten desavouiert zu werden.“

„Das Tempo, mit dem der Mann Schlüsselfiguren seines Kabinetts auswechselt, sucht seinesgleichen“, kommentiert die „Rheinische Post“. „Mit Rex Tillerson muss ein Praktiker gehen, der – bei allen Fehlern, die er beging – für Augenmaß, pragmatische Wendigkeit und einen kühlen Kopf stand.“

Für das „Handelsblatt“ ist der Zeitpunkt der Entlassung kein Zufall. „In der Handelspolitik hat der US-Präsident sich für einen Konfrontationskurs entschieden. Sein geplantes Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un birgt große politische Risiken. Die ‚Russland Connection‘ verfolgt ihn noch im zweiten Amtsjahr. Trump hat sich offenbar entschieden, Zweifler und Kritiker in dieser kritischen Phase seiner Präsidentschaft vor die Tür zu setzen. Das Weiße Haus gleicht im Jahr der wichtigen Kongresswahlen mehr und mehr einer Wagenburg.“

Bei „Zeit Online“ heißt es: „Sein Job war eine Qual. Dafür hat Trump gesorgt. Wie sollte dieser im Grunde vernünftige Mann mit klaren Positionen in der Welt die Linie seiner Regierung vertreten, wenn es sie eigentlich nicht gibt? Wenn der irrlichternde Präsident mal dieses, mal jenes forderte oder ankündigte, sich mit seinem Außenminister zu wenig abstimmte oder ihm gleich aus der Ferne in den Rücken fiel. Wenn die außenpolitischen Entscheidungen sowieso mehr denn je im Weißen Haus getroffen wurden, die Nahost-Diplomatie mit Trump-Schwiegersohn Jared Kushner gleich ganz in der Familie bleiben sollte und Tillerson nicht einmal in Personalfragen freie Hand hatte.“ 

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