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Für Sie gelesen Gift und Gegengift

Indizien, aber keine Beweise: Wie soll Grißbritannien auf den Giftanschlag von Salisbury reagieren?

Ein James-Bond-Krimi könnte kaum spannender sein: Ein russisch-britischer Ex-Spion und seine Tochter werden im Süden Großbritanniens mit einem russischen Nervengift lebensgefährlich verletzt. Die britische Regierung weist russische Diplomaten aus, die sie für Agenten hält. Die russische Regierung streitet alles ab. Und nun geht es auch um die Fußball-Weltmeisterschaft. Aber die Sache ist ernst.

Auch für die „Neue Osnabrücker Zeitung“ liegt die Krimi-Analogie auf der Hand: „Martialische Töne, Drohungen, Ultimatum, Ausweisung von Diplomaten: Der Schlagabtausch zwischen London und Moskau erinnert an schlechte Agentenfilme aus Zeiten des Kalten Kriegs“, heißt es dort.

Allerdings: „In der Gift-Affäre um Sergej Skripal hat zwar Theresa May den Kreml schnell als Schuldigen ausgemacht. Aber hat die Premierministerin gerichtsfeste Beweise? Wohl kaum. War es also die Mafia, Ex-Agenten oder doch ein Anschlag im Staatsauftrag? Die USA, EU und Nato dürfen sich in den Konflikt nicht hineinziehen lassen, sofern es nur Verdächtigungen gibt. Solidarität mit Großbritannien ja, aber nur auf Basis von Fakten.“

Auch die „Süddeutsche Zeitung“ meint: „Verurteilungen ohne Beweise darf es in einem Rechtsstaat nicht geben. Versagt der Rechtsstaat vor diesem Anspruch, dann wird er zum Willkürstaat. Das gilt auch für den Staat als außenpolitischen Akteur: Wer straft und droht, gerade gegenüber anderen Staaten, der muss gute Gründe vorlegen. Momentan halten zu viele Staaten auf der Welt diese Regeln für überflüssig.“

Der Autor gesteht zu, dass vieles gegen Russland spricht. „Und dennoch: Der Rechtsstaat verlangt nach einer klaren Zuordnung von Opfer und Täter. Großbritannien verfügt über Indizien, starke Indizien – aber nicht über den letzten Beweis. Deswegen bleibt die Reaktion vergleichsweise verhalten. Wäre die Beweislage eindeutig, müsste die Fußball-WM ohne die Briten und ihre Verbündeten stattfinden.“

Die „Welt“ fordert, man müsse Putin nun Einhalt gebieten. „Was will sich die westliche demokratische Welt an Aggressionen aus Moskau noch alles gefallen lassen, bevor sie ihnen deutliche Grenzen setzt?“ Der Giftanschlag „fügt sich in die Logik des Putin-Regimes, nach der die Fähigkeit zur straflosen Übertretung internationaler Regeln und Normen Ausweis seiner globalen Stärke sei“.

Der Autor zeigt Verständnis für die konsequente Haltung Großbritanniens, sieht aber keine Möglichkeit für ein Fernbleiben von der Fußball-WM. „Wenn schon ein Boykott der WM in Gänze nicht durchsetzbar ist, sollten alle westlichen Regierungen dem britischen Beispiel folgen und Putins Spiele nicht durch die Anwesenheit offizieller Repräsentanten aufwerten.“

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