Lade Inhalte...

Für Sie gelesen Erfinder gefunden

Gaby Huchs Buch „Geniale Erfindungen“ errichtet dem Berliner Erfindergeist dreißig kleine, feine Denkmäler.

Gaby Huchs Buch über Berliner Erfindungen beginnt mit einer Frau. Caroline Eichler meldete am 23. November 1833 ein Patent für einen „neuerfundenen Fuß zum Ersatze des Ober- und Unterschenkels“ an. Es war die erste Patentanmeldung einer Frau in Preußen, die damals wohl erst 25 Jahre alt war. Sie meldete noch ein Patent für eine künstliche Hand an. Sie lebte von ihrer Arbeit als „Verfertigerin künstlicher Füße und Hände“. So gut, dass ihr geschiedener Mann sie 1843 mit einer Feile erstach.

Ein dramatischer Auftakt eines sehr anschaulichen Buchs, das dem Berliner Erfindergeist dreißig kleine, reich bebilderte Denkmäler errichtet. Darunter etwa die Litfaßsäule, Erbswurst, Thermoskanne, Fleurop, Fromms Kondom, der vor dem Regen rettende Knirps, die Spalttablette, das Elektronenmikroskop, den Computer und nicht zu vergessen: die Kernspaltung.

Man liest, wie eine Rechtschreibreform verschoben wurde, damit das Haus Langenscheidt nicht auf seiner neuen Lautschrift sitzen blieb. So mancher Verleger wird bei dieser kurzen Passage mal wieder über den Werteverfall klagen.

Huch schreibt animierend. Zum Beispiel beginnt der Abschnitt über den Fön mit dem Satz: „Am Anfang war das Rubbeltuch.“ Das ist auch darum so schön gesagt, weil es daran erinnert, dass ein Anfang dazu da ist, überwunden zu werden. In diesem Fall durch die Entwicklungsabteilung der AEG, die 1899, eine französische Erfindung weiterspinnend, eine zwei Kilo schwere „Heiß- und Kaltluftdusche“ patentieren lässt. Das Ding war laut und – wie die AEG später bekannte – „ein heißer und ungestümer Kamerad, der nur für das mutige Frauchen geeignet war“.

Ihrem Computerkapitel hat Gaby Huch das hellsichtige Zitat seines Erfinders Konrad Zuse vorangestellt: „Bisher war der Bürger durch die Trägheit der Bürokratie vor vielen Übergriffen des Bürokratismus geschützt. Jetzt kommt der Computer und macht das alles in Millisekunden.“ 1941 hatte Zuse seinen Computer Z3 fertig, der erste „auf dem binären Zahlensystem und der binären Schaltungstechnik beruhende Rechner der Welt“. In letzter Minute verließ Zuse Berlin und floh mit Frau und Technik vor dem Krieg ins Allgäu. Auch aufs Fernsehen kam man in Berlin.

Gaby Huch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Wir Leser freuen uns, dass sie aus dem Staub der Archive hinausgefunden hat in die Welt des populären Sachbuchs. Arno Widmann

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen