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Für Sie gelesen Der VW-Kunde zahlt

Verbraucherschützer Kolba über den Riesenbetrug der Industrie.

Der Wiener Anwalt, Parlamentarier und Verbraucherschützer Peter Kolba möchte Sammelklagen bei Massenschäden nach US-Vorbild in Europa. Sein Buch liefert aber auch einfach einen Überblick über den VW-Skandal, den größten Betrug der europäischen Industriegeschichte. Akribisch hat Kolba zusammengetragen, was aus öffentlichen Quellen bekannt ist.

So erinnert er an die Sitzung vom 20. November 2006, bei der in Wolfsburg hochrangige VW-Techniker zusammenkamen. Damals entschloss sich VW, nicht die Motoren dahingehend zu ändern, dass die strengen US-Abgasvorschriften eingehalten wurden, sondern sie um eine Software zu ergänzen, die einen Test erkennen konnte.

Zum Beispiel daran, dass das Lenkrad nicht um mehr als 15 Prozent gedreht wird. In dieser Situation sorgt die Software dafür, dass die zur Abgasreinigung nötige Harnstofflösung auch tatsächlich dazugespritzt wird. Sowie aber das Lenkrad wieder stärker gedreht wird, was im Straßenverkehr dauernd verkommt, wird die Harnstofflösung kaum noch hinzugefügt.

Der VW-Konzern hat nach eigenen Angaben weltweit elf Millionen Fahrzeuge manipuliert. Allein in Deutschland waren es 2,8 Millionen. Das erklärte seinerzeit Verkehrsminister Alexander Dobrindt.

Kolba weist auch darauf hin, was man von manchen Erklärungen zu halten hat. So forderte im Juni Justizminister Heiko Maas publikumswirksam von VW, der Konzern solle bis 2021 Gewährleistungsansprüche anerkennen. „Der Haken dabei: Gewährleistungsansprüche richten sich nicht an den Hersteller, sondern an den Händler.“ Der ist der Vertragspartner des Kunden.

Die Händler haben an der Verjährung nach zwei Jahren – also Ende 2017 – festgehalten. Jetzt streiten sich Kunden und Händler darum, wie weit die Händler nicht doch auch drei Jahre, also bis Ende 2018, bis zur Verjährung verstreichen lassen müssen. Einige Gerichte haben den Kunden Recht gegeben.

VW hat sich inzwischen mit der US-Strafjustiz auf einen Betrag von 4,3 Milliarden Dollar geeinigt. Insgesamt hat die Affäre den Konzern allein in den USA rund 25 Milliarden Euro gekostet. Im Februar wird das Bundesverwaltungsgericht über ein Fahrverbot der vom Abgasskandal betroffenen Motoren entscheiden. Die Autos haben dann wohl nur noch Schrottwert. Das haben die Kunden VW zu verdanken.

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