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Für Sie gelesen Chancenkonto

SPD-Vize Schäfer-Gümbel schreibt über den Sozialstaat in digitalen Zeiten.

Die Welt verändert sich rasend schnell durch Digitalisierung. Die Segnungen von Smartphone und Tablet, von Cloud Computing und Apps erleichtern das Leben und schaffen zugleich neue Probleme. Berufe sterben aus, autonom fahrende Autos werfen ethische Fragen auf, mit Big Data erhalten Konzerne und Staaten ungeahnte Möglichkeiten, uns zu überwachen und zu steuern.

Wie lässt sich dieser Umbruch gestalten? In allen Parteien machen sich Politiker darüber Gedanken. Thorsten Schäfer-Gümbel hält seine SPD für prädestiniert, diesen Prozess in die Hand zu nehmen. Er wolle „zeigen, dass die SPD die Zukunft unseres Landes maßgeblich und führend mitgestalten kann, wie sie es bereits bei den vergangenen industriellen Umbrüchen getan hat“, schreibt der stellvertretende Bundes- und hessische Landesvorsitzende.

Von Politikern werden Antworten erwartet. Das Schöne am Bücherschreiben ist, dass man es auch bei interessanten Fragen belassen kann. Schäfer-Gümbel liefert beides.

„Ich gebe zu, dass es nicht immer leicht ist, zu eindeutigen Antworten zu kommen“, schreibt er an einer Stelle – da geht es darum, ob Roboter zur Pflege von Menschen eingesetzt werden sollten. „Zu einem Ergebnis bin ich noch nicht gekommen“, heißt es anderswo – bei der Frage, inwieweit Algorithmen in autonomen Autos so programmiert werden sollen, dass in sie bei unvermeidlichen Unfällen Entscheidungen treffen, wer überfahren wird.

Doch der Politiker unterbreitet auch programmatische Vorschläge für die SPD – insbesondere für die Umgestaltung des Sozialstaats. Ein Stichwort lautet „Chancenkonto“. Wenn die Menschen öfter in ihrem Arbeitsleben den Arbeitgeber und womöglich den Beruf wechseln müssen, müssten Möglichkeiten geschaffen werden, um sich fortzubilden, sich selbstständig zu machen oder Familienzeit zu nehmen. Schäfer-Gümbel schlägt vor, jedem Menschen am Ende seiner Berufsausbildung oder seines Studiums ein Guthaben zur Verfügung zu stellen, das für solche Auszeiten genommen werden kann. Klar wendet sich der Sozialdemokrat gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen, das er „Augenwischerei“ nennt.

Die designierte SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat sich am Freitag ein Exemplar des Buchs von Schäfer-Gümbel signieren lassen. Er besitzt also gute Chancen, dass seine Überlegungen im kommenden Grundsatzprogramm der Partei eine gewichtige Rolle spielen. 

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