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Für Sie gelesen Aberwitzige Zahlen

Versteh‘ einer die Menschen: Der Bericht zur weltweiten Ungleichheit hilft dennoch jedem, der die Welt etwas besser durchschauen will.

Um den Umschlag läuft eine Banderole, auf der steht: „Ungleichheit ist immer dann ein Problem, wenn sie exzessiv wird.“ Thomas Piketty, einer, der sich auskennt mit der Ungleichheit, hat das gesagt. Es stimmt nur nicht. Der von Piketty mit herausgegebene und jetzt auf Deutsch vorliegende „World Inequality Report“ – der Bericht zur weltweiten Ungleichheit – zeigt das überdeutlich.

In den vergangenen 30 Jahren ist zum Beispiel in den USA folgendes passiert: 1980 verdienten die unteren 50 Prozent der Lohnskala 21 Prozent des gesamten nationalen Einkommens, während das oberste eine Prozent elf Prozent des gesamten Einkommens einstrich. Heute verdienen die unteren 50 Prozent noch 13 Prozent des Gesamteinkommens, das oberste eine Prozent räumt inzwischen 20 Prozent des Gesamteinkommens ab.

Nirgends ist eine Revolution in Sicht. Im Gegenteil: Ein Milliardär wird zum Präsidenten gewählt. Seine erste Tat: Ein Steuergesetz, das der Umverteilung nach oben noch einmal einen tüchtigen Schub gibt.

Ist Ihnen aufgefallen: Bisher war nur von „Einkommen“ die Rede. Bei den Vermögen sieht es noch aberwitziger aus. Die Mittelschicht war in den USA 2009 um fast ein Drittel ärmer als sie es noch 2006 war. Der Immobiliencrash brach ihr den Hals. Dem superreichen einen Prozent der US-Bürger machte er nichts aus. Die supersuperreichen 0,1 Prozent steigerten ihre Vermögen pro Jahr sogar noch um 7,9 Prozent. Wahrscheinlich, darauf weisen die Autoren des Ungleichheitsreports hin, sind das noch geschönte Zahlen. Unterlagen über Vermögenswerte sind kaum zu bekommen. Die Abschaffung von Vermögenssteuern dient auch diesem Zweck.

Es ist dennoch gut, diese Zahlen zu haben. Ohne sie versteht man nicht die Welt. Aber sie erschweren es einem doch, die Menschen zu verstehen. Die Riesenvermögen, die in den vergangenen Jahrzehnten zum Beispiel in China, Russland und Indien entstanden sind, konnten das ja nur dank einer sie fördernden Gesetzgebung. Die ist bekannt, und bekannt sind ihre Folgen. Es gibt keine Aufstände gegen sie. Kaum Kritik.

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