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Vergabe von Milliardengeldern Entwicklungshilfe nicht für Agrarmultis

Die G7-Staaten sollten mit ihren Projekten den Menschen vor Ort unterstützen, statt Unternehmen dabei zu helfen, Märkte zu erschließen. Der Gastbeitrag.

Lebensmittel der Deutschen Welthungerhilfe
Lebensmittel aus Deutschland werden im Kongo ausgepackt. Von einigen Projekten der Entwicklungshilfe profitieren nicht nur die Menschen, sondern auch deutsche Agrarkonzerne. Foto: imago

Am Montag veröffentlichte die OECD ihre jährliche Statistik darüber, wie viel Geld die Industriestaaten für Entwicklungszusammenarbeit ausgeben. Wie jedes Jahr verkünden die Geberstaaten der EU voller Stolz ihre Erfolge im Kampf gegen Armut und Hunger. Was bei all den Milliarden für Entwicklungszusammenarbeit im Rummel beinahe untergeht: Erneut erfüllen die Geberländer ihre Verpflichtungen nicht mal zur Hälfte.

Bereits 1972 wurde auf UN-Ebene vereinbart, dass die Industriestaaten, 0,7 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung in die Entwicklungszusammenarbeit investieren sollten. Diese Quote wird auch ODA-Quote (englisch: Official Development Assistance) genannt. So gering dieser Wert auch ist, die EU ist weit davon entfernt, dieses Ziel zu erreichen. Trotz des Anstiegs der vergangenen Jahre stagniert die durchschnittliche ODA-Quote der EU bei nicht einmal 0,5 Prozent. Weltweit kommen alle Geberländer gerade einmal auf 0,31 Prozent.

Deutschland hatte das Ziel im Jahr 2016 zwar zum ersten Mal erfüllt, allerdings nur weil die Kosten für Flüchtlinge im Inland angerechnet wurden. Ein Taschenspielertrick, der Deutschland für ein Jahr zum größten Empfänger der eigenen Entwicklungshilfen machte. 2017 verfehlte die Bundesregierung die Quote, sie sank auf 0,66 Prozent – ein Viertel davon sind erneut die Kosten für Flüchtlinge im Inland.

Aber selbst die vorhandenen Mittel werden nicht immer sinnvoll eingesetzt, wie das Beispiel Hungerbekämpfung zeigt. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Hungernden zwar um rund ein Drittel zurückgegangen. Im vergangenen Jahr stieg sie jedoch zum ersten Mal wieder an. Noch immer hungern weltweit rund 815 Millionen Menschen.

Schuld daran sind auch die globalen Strukturen. Agrarexporte der Industriestaaten zerstören die lokalen Märkte, während die agroindustrielle Landwirtschaft die Kleinbauern zunehmend verdrängt. Doch anstatt die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu fördern, sollen nach den Vorstellungen in Brüssel und Berlin Unternehmen wie Bayer und Monsanto bei der Bekämpfung des Welthungers helfen. Im Gegenzug unterstützt die Politik die Expansion der Konzerne auf neue Märkte.

Ein Beispiel für diesen Ansatz ist die Neue Allianz für Ernährungssicherheit, eine Initiative der G7-Staaten, die von den Entwicklungsländern weitreichende Zugeständnisse an Agrar-Multis verlangt. Den Unternehmen werden Steuererleichterungen und Gesetzesreformen zu Landrechten oder im Saatgutsektor versprochen. Kleinbauern dürfen dann plötzlich ihre eigenen Pflanzen nicht mehr vermehren. Stattdessen müssen sie das vermeintlich „hochwertige“ Hybrid-Saatgut der Konzerne kaufen.

Damit treibt die Entwicklungszusammenarbeit die Bauern in den Ruin, statt ihnen aus der Armutsfalle zu helfen. In Tansania kam es bei Projekten der Neuen Allianz zudem zu Landraub und Vertreibungen durch die schwedische Firma Eco-Energy. Das Europäische Parlament zeigte sich alarmiert und kritisierte das Vorgehen scharf. Frankreich ist inzwischen aus der Initiative ausgestiegen. Deutschland will das eigene Engagement überprüfen. Bis dato finanzieren die Bundesregierung und die EU jedoch weiterhin die schädlichen Mega-Projekte.

Hinzu kommt: die Landwirtschaft ist ein wichtiger Arbeitgeber. Durch die neuen, maschinellen Anbaumethoden, gehen Arbeitsplätze verloren. In Afrika werden laut einer aktuellen Studie bis 2030 rund 440 Millionen junge Menschen einen Job suchen. Es muss also darum gehen, dass in der Landwirtschaft Geld verdient werden kann und nicht wie von Monsanto und Co. gewünscht nur mit der Landwirtschaft. Denn ohne berufliche Perspektive bleibt den Menschen oft nichts anderes übrig, als ihre Heimat zu verlassen.

Eine nachhaltige Alternative zur industriellen Landwirtschaft, ist die Agrarökologie. Hierbei wird Landwirtschaft nicht als isolierter Sektor betrachtet, sondern als Teil eines Ernährungssystems, zu dem auch die Umwelt und die Menschen gehören. So werden beispielsweise auf dem Acker natürliche Prozesse gefördert, anstatt Pestizide einzusetzen.

Die Methode ist zwar arbeitsintensiv, aber kostengünstig und erfolgversprechend. Denn um tatsächlich eine Welt ohne Hunger zu erreichen, braucht es nicht mehr Geld für Agrarkonzerne, sondern Projekte, von denen die Menschen vor Ort profitieren.

Maria Heubuch ist die entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im Europaparlament.

Uwe Kekeritz ist Grünen-Bundestagsabgeordneter und entwicklungspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

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