Lade Inhalte...

Psychische Gesundheit Wir müssen über Depressionen reden

Die Krankheit Depression betrifft Menschen jeder Altersgruppe. Sie lässt sich mit Prävention früh erkennen. Wichtig ist, Betroffene zu entstigmatisieren und stattdessen offen darüber zu reden. Das hilft Menschen und Firmen. Der Gastbeitrag.

Psychische Erkrankungen
Eine von 20 Personen in Europa leidet unter Depressionen. Mit Vertrauten darüber zu reden kann ein erster Schritt zur Genesung sein. Foto: dpa

Depressionen betreffen Menschen jeden Alters und Hintergrunds, in allen Ländern. Sie verursachen mentalen Stress und können die Fähigkeit, selbst einfachste alltägliche Pflichten zu erledigen, beeinträchtigen. Unbehandelt können Depressionen dazu führen, dass Menschen nicht mehr arbeiten und am familiären und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Im schlimmsten Fall können Depressionen zum Suizid führen. Obwohl Depressionen häufiger bei Frauen auftreten, liegt die Suizidrate bei Männern im Schnitt fast viermal höher, insbesondere bei Männern aus niedrigeren Einkommensgruppen.

Depressionen sind weit verbreitet – eine von 20 Personen in Europa lebt derzeit mit einer Depression, und jede(r) Vierte wird im Laufe seines oder ihres Lebens eine depressive Phase durchmachen.

Wenig überraschend steigt das Risiko einer Depression und ähnlicher Zustände, wie Angststörungen, deutlich an, wenn Menschen Gewalt und Konflikten ausgesetzt sind oder ihre Heimat verlassen müssen. Depression ist keine Schande. Wir dürfen dieses Thema nicht ignorieren oder stigmatisieren, so dass Betroffene keine Hilfe suchen. Wir müssen darüber sprechen! Am heutigen Weltgesundheitstag rücken wir die Krankheit Depression in den Fokus. Unsere Botschaft lautet: Lasst uns reden!

Schulen spielen wichtige Rolle bei Prävention und Erkennung

Wenn Sie unter einer Depression leiden, kann der erste Schritt zur Genesung darin bestehen, dass Sie mit einer Vertrauensperson darüber sprechen. Geredet werden muss jedoch auch auf breiterer Front – unter Politikern, Lehrkräften, Arbeitgebern, Angehörigen der Gesundheitsberufe, Familienmitgliedern, im Freundes- und Kollegenkreis.

Wir müssen uns klarmachen, welche Rolle jede(r) einzelne von uns spielen kann bei der Prävention, Erkennung und Behandlung von Depressionen. Tatsächlich können die häusliche Umgebung, Schulen, Arbeitsstätten und Gesundheitseinrichtungen allesamt eine Schutzfunktion für die psychische Gesundheit haben.

Als erste Institution in unserem Leben spielt die Schule eine wichtige Rolle bei der Prävention und Erkennung von Depressionen und der Vermittlung von Resilienz. Depressionen bei Kindern und Jugendlichen können zu Vereinsamung, schlechten Lernergebnissen und einem erhöhten Risiko weiterer psychischer Erkrankungen führen. Von der EU unterstützte Initiativen, wie das Supreme-Projekt zur Suizidprävention, haben gezeigt, dass Maßnahmen in Schulen depressive Tendenzen abfangen können. Anregungen dazu, wie Schulen das Wohlergehen ihrer Schülerschaft fördern können, finden sich in den Empfehlungen für Maßnahmen in Schulen, die von der durch die EU unterstützten gemeinsamen Aktion für psychische Gesundheit und Wohlbefinden formuliert wurden.

Online-Tools können den Zugang zu Behandlungen erleichtern

Da Depressionen die Hauptursache für krankheitsbedingte Fehlzeiten und Produktivitätsverlust in entwickelten Ländern sind, haben Arbeitgeber ein deutliches Interesse daran, eine für die psychische Gesundheit förderliche Arbeitskultur zu schaffen. Das Arbeitsumfeld kann ein erschwerender Faktor bei Stress, Depression und Burnout sein. Daher ist es erfreulich, eine zunehmende Bereitschaft auf Arbeitgeberseite festzustellen, nicht erst tätig zu werden, wenn Beschäftigte eindeutig depressiv sind, sondern auch Präventions-programme einzurichten. Anregungen für Maßnahmen in Arbeitsstätten finden sich in den Empfehlungen der EU.

In den letzten Jahren sind immer mehr Online-Tools zur Behandlung psychischer Gesundheitsprobleme entstanden. Vom Gefühl her mag es falsch sein, den menschlichen Kontakt nicht immer in die Behandlung von Depressionen zu integrieren. Es hat sich herausgestellt, dass Online-Angebote für psychische Gesundheit Hemmschwellen für Betroffene abbauen können, denen Anonymität und Privatsphäre besonders wichtig sind, und dadurch den Zugang zu einer Behandlung erleichtern.

Es gibt viele weitere Quellen mit Unterstützungstipps für Einzelpersonen, Schulen, Arbeitsstätten und Gesundheitseinrichtungen. Das Toolkit der Weltgesundheitsorganisation WHO für Organisatoren von Sensibilisierungsveranstaltungen, eine Reihe von Handouts für die „Let’s talk“-Kampagne sowie die vom EU-Kompass zusammengestellten empfehlenswerten Verfahren für psychische Gesundheit und Wohlbefinden sind nur einige der verfügbaren Instrumente.

WHO will Ausbau von Hilfseinrichtungen unterstützen

Depressionen sind behandelbar, und doch werden drei von vier Fällen einer schweren Depression nicht angemessen behandelt. Das müssen wir besser machen. Wir beide haben die Krankheit weiterhin ganz oben auf unserer Liste. Im Jahr 2017 werden die Maßnahmen der Europäischen Kommission in diesem Bereich auf psychische Gesundheit am Arbeitsplatz und in Schulen sowie auf Suizidprävention konzentriert sein. Die WHO legt den Schwerpunkt auf die Bereitstellung von Unterlagen und technischer Hilfe für Regierungen, die Dienste für Menschen mit einer Depression einrichten oder ausbauen wollen, sowie auf die Zusammenarbeit mit Partnern, die Hilfe bei Depressionen in ihre Arbeitsprogramme einbinden möchten.

Heute, am Weltgesundheitstag, fordern wir alle auf, über Depressionen zu sprechen und dort Lösungen zu suchen, wo wir etwas ausrichten können – in unseren Klassenzimmern, unseren Büros, mit unseren Freunden. Reden wir nicht nur heute über Depressionen, sondern auch morgen, übermorgen, nächsten Monat, nächstes Jahr. Strecken wir die Hand aus und tun wir was für unsere Mitmenschen.

Vytenis Andriukaitis ist EU-Kommissar für Gesundheit.
Zsuzsanna Jakab ist Regionaldirektorin des WHO-Büros für Europa. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen