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Plastik Globaler Plastikgipfel jetzt!

Damit 2050 nicht mehr Plastik im Meer schwimmt als Fische, muss die Weltgemeinschaft endlich Schritte gegen diese Vermüllung einleiten. Der Gastbeitrag der FR.

Umweltverschmutzung in Italien
Plastikmüll am Strand von Castel Volturno. Foto: imago

Unser Planet erstickt im Plastikmüll. Ob im Eis der Arktis, in den Quellbächen der Hochgebirge oder in den unendlichen Weiten der Ozeane – überall hinterlässt unsere Wegwerfgesellschaft ihre Spuren.

Von den mindestens 32 Millionen Tonnen Plastik, die jährlich in die Umwelt gelangen, werden bis zu 13 Millionen Tonnen in die Meere gespült. Fünf riesige Müllstrudel treiben in den Ozeanen. Doch selbst das ist nur die Spitze des Müllbergs.

Nur ein Prozent des Plastikmülls schwimmt an der Meeresoberfläche. Der riesige Rest schwebt in Kleinstpartikeln im Wasser oder sammelt sich für Jahrhunderte am Meeresgrund. Geht es so weiter ist 2050 mehr Plastik als Fisch im Meer.

Mikroplastik im Wasser, in den Böden und in der Luft

Die zunehmende Verschmutzung von Wasser, Böden und Luft mit Mikroplastik ist auch eine Gefahr für unsere Gesundheit. Studienergebnisse zeigen, dass Nanoplastik die Blut-Hirn-Schranke bei Fischen passieren kann. Klar ist, dass die gesundheitsschädigenden Wirkungen von Plastik-Additiven wie Phthalaten und Bisphenol A bereits nachgewiesen sind und unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hormonelle Veränderungen insbesondere bei Kindern in der Wachstumsphase zur Folge haben können.

Immer mehr Länder starten Initiativen zur Vermeidung von umweltschädlichem Einwegplastik. Allein in den letzten Wochen haben mit Burundi, Neuseeland, Uruguay, Chile und Australien fünf Länder beschlossen, Plastiktüten zu verbieten. Viele Bürgerinnen und Bürger treibt die Vermüllung der Meere um. Sie versuchen ein Zeichen zu setzen, indem sie Plastik fasten oder in Unverpackt-Läden einkaufen.

Aktivistinnen und Aktivisten protestieren bei Plastic-Attacs vor Supermärkten gegen unnütze Verpackungen. Am Samstag rufen beim Coastal Clean Up Day Surferinnen und Surfer sowie Strand-anwohner auf der ganzen Welt dazu auf, die Strände zumindest für einen Tag von Plastikmüll zu befreien. Die Menschen fordern die Politik zum Handeln auf. Und in der Tat ist es an der Zeit, dass die Graswurzel-Bewegung und die Regierungen gemeinsam gegen die Plastikflut kämpfen.

Die Welt muss nur wollen

Dass die Weltgemeinschaft in der Lage ist, wirkungsvolle internationale Abkommen zum Schutz der Umwelt zu schließen, hat sie mit dem Montreal-Abkommen bewiesen. Dies hat zu einem weitgehenden Ausstieg aus der Nutzung von Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) geführt und dazu beigetragen, das Ozonloch zu schließen.

Mit dem Paris-Abkommen und dem Nagoya-Protokoll hat die Welt gezeigt, dass sie den Kampf gegen die Klimaerhitzung und das Artensterben gemeinsam angehen will. Die Vermüllung jedes letzten Winkels der Erde mit Plastik ist eine vergleichbare Bedrohung für unseren Planeten. Sie zu stoppen erfordert eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Staaten. Der beste Rahmen dafür ist ein globales Plastikabkommen unter dem Dach der Vereinten Nationen (UN).

Erste Schritte in diese Richtung sind bereits unternommen worden. Die Bundesregierung verweist zwar darauf, dass sie über die G20- und die G7-Aktionspläne die Reduzierung des Meeresmülls angestoßen hat. Doch diese sind unverbindlich und betreffen nur eine begrenzte Zahl an Ländern. Deshalb darf die Bundesregierung sich nicht darauf ausruhen. Deutschland muss die Chance ergreifen und sich das erste Mal seit langem wieder an die Spitze einer internationalen Umweltbewegung stellen.

Verhandlungen für ein globales Plastikabkommen dürfen natürlich keine Ausrede sein, um inzwischen die Hände in den Schoß zu legen. Nirgendwo anders in Europa fällt mehr Verpackungsmüll an als in Deutschland. Und auch von hochwertigem Recycling kann nicht die Rede sein.

Plastikmüll wird verbrannt statt vermieden

60 Prozent des Plastikmülls werden in Deutschland nach wie vor verbrannt. Statt Programme zur Vermeidung von Plastikmüll oder Innovationen für mehr und hochwertigeres Recycling voranzutreiben, ruht sich die Bundesregierung immer noch auf der vermeintlichen Vorreiterrolle des Recycling-Weltmeisters Deutschland aus. Dem setzen wir Grüne eine Plastikstrategie entgegen.

Teil einer solchen Strategie muss ein internationales Plastikabkommen sein, mit dem sich die Weltgemeinschaft dazu verpflichtet, den Eintrag von Plastik und Mikroplastik in die Umwelt und insbesondere die Meere bis zum Jahr 2030 zu stoppen.

Dieses weltweite Ziel sollte durch verbindliche, nationale Zielvereinbarungen und länderspezifische Maßnahmenpläne untermauert sein. Das nimmt alle Staaten in die Pflicht, ihren Beitrag zum Schutz der Meere und zur Reduzierung des Plastikmülls zu leisten und schafft eine Basis für effektive internationale Kooperationen zwischen den Staaten.

Bettina Hoffmann ist Grünen-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Umweltpolitik. 

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