Lade Inhalte...

Mobilität Mobil bleiben - ohne Staus, schlechte Luft und Lärm

Damit die Mobilitätswende gelingt, braucht es ein durchdachtes Konzept. Der FR-Gastbeitrag von SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel.

Stau in Köln
Stau auf einer Zufahrtsstraße bei Köln (Symbolbild). Foto: dpa

Die Zukunft der Mobilität ist greifbar nah. Autonomes Fahren, E-Mobilität und smarte Verkehrskonzepte: Der technologische Wandel ist in vollem Gange. Doch in Hessen sieht die Realität leider anders aus. Nicht die Zukunft beherrscht das Bild, sondern die Probleme der Vergangenheit: Stau, Parkplatzsuche, überfüllte Bahnen. Damit ist Hessen nicht allein, es lohnt ein Blick über den Tellerrand.

Viele Ballungsräume auf der ganzen Welt haben Probleme, die gesteigerten Mobilitätsansprüche in den Griff zu bekommen, oder kämpfen mit Folgeproblemen. Wir alle leben immer individueller, wir wollen und müssen immer mobiler sein und auch die Formen der Mobilität nehmen zu. Durch die zunehmende Urbanisierung und die berechtigte Erwartung der Menschen an saubere und leisere Städte mit einer größeren Lebensqualität werden Ansprüche an Stadtplanung, Verkehrsmanagement und Infrastruktur-Investitionen gestellt. 

Dafür ist Peking ein gutes Beispiel. China wird von der Motorisierung sprichwörtlich überrollt. Doch der rasante Wandel von der Fahrrad- zur Autostadt führt zu Problemen: Megastaus und Verkehrschaos, Millionen Autos, aber kaum Parkplätze. Und der Smog über der Stadt ist buchstäblich atemberaubend. 

Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, setzen die Verantwortlichen unter anderem – eher klassisch – auf den weiteren Ausbau des Straßennetzes. Doch viele Flächen gibt es nicht, die für neue Straßen zur Verfügung stehen. Der Problemdruck wurde in den letzten Jahren daher so groß, dass sich die Verantwortlichen auf den Weg gemacht haben, nach innovativen Lösungen zu suchen. 

Dazu gehört etwa die Umstellung auf E-Mobilität, vor allem den beliebten E-Roller. Perspektivisch soll der Verkehr auch durch digital gesteuerte Leitsysteme optimiert werden, bis hin zu virtuellen Verkehrsführungen und autonomem Fahren. Peking hat sich auf den Weg in die Zukunft gemacht.

Die Stadt ist eine Glaskugel für die Zukunft der Mobilität – im Guten wie im Schlechten. Heute hat Peking rund 21 Millionen Einwohner und etwa sechs Millionen Autos. Das ist verglichen mit Hessen sogar noch relativ wenig. Hessen hat rund sechs Millionen Einwohner und gut 3,5 Millionen Autos.

Nun ist Hessen natürlich nicht Peking. Aber auch hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Wie schaffen wir die Mobilitätswende, die uns nicht einschränkt und zukunftsfest ist? Seit Jahren lässt die CDU bestenfalls Schlaglöcher stopfen – auch wenn selbst dafür die Mittel zu knapp sind –, aber sie hat keine Vorstellung, keine Idee, kein durchdachtes Konzept für eine innovative, nachhaltige Mobilität, die den steigenden Ansprüchen beispielsweise der Pendlerinnen und Pendler gerecht würde. 

Die Autodichte, das hohe Pendleraufkommen und die zunehmend schlechten Luft- und Lärmverhältnisse brauchen mehr als nur Flickschusterei. Hessen braucht eine Zukunftsstrategie Mobilität. Wir müssen den Wandel gestalten. Wir brauchen dringend auf allen politischen Ebenen Transformationskonzepte – EU-weit, deutschlandweit, aber auch in den Ländern. Die Mobilitätswende ist die große Schwester der Energiewende. Mit einem gesunden Maß an Technologieoffenheit lässt sich die bevorstehende Antriebswende in eine umfassende Mobilitätswende überführen. 

Das Verständnis von Mobilität muss umfassender werden und Car-Sharing- und Leihrad-Konzepte integrieren. Radverkehr spielt eine immer stärkere Rolle und muss sicherer und nutzerfreundlicher werden. Dafür ist etwa die Stadt Kopenhagen ein Paradebeispiel. 
Durch eine digitale Mobilitätsplattform wollen wir als SPD Mobilität in Hessen so „smart“ und gerecht wie möglich machen. Zudem gilt es, Mobilität in gleicher Weise für die ländlichen Räume zu sichern. Dabei wird entscheidend sein, ob es beispielsweise gelingt, die Mitnahme Dritter im eigenen PKW in das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) zu integrieren. 

Doch Radverkehr und automatisierte Fahrzeuge werden nicht alle Probleme lösen. Neben dem Erhalt der Straßeninfrastruktur, die bislang dramatisch unterfinanziert ist, müssen wir auf Ausbau des ÖPNV setzen, so dass die Bürgerinnen und Bürger immer eine umweltfreundliche und attraktive Fahrmöglichkeit haben, ohne ein eigenes Auto benutzen zu müssen. 

Zudem ist es erforderlich, den Schienenverkehr auszubauen oder – wie in Wiesbaden – wieder neu aufzubauen. Der schnelle Austausch von Dieselbussen gegen Fahrzeuge mit alternativen Antriebstechniken muss von Bund und Land verstärkt finanziell gefördert werden. 

Hessen muss die Mobilitätswende nutzen und aktiv an der Mobilität der Zukunft arbeiten. Mobilität ist – ähnlich wie Bildung und bezahlbarer Wohnraum – eine der großen Zukunftsfragen. Politik muss nach vorne gerichtete Antworten geben. 

Thorsten Schäfer-Gümbel ist hessischer SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzender sowie SPD-Vizevorsitzender im Bund. Er informiert sich derzeit in Peking und Tianjin über  Mobilitätskonzepte in China.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen