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Klimapolitik Der Finanzsektor wird grüner

Staaten und Firmen investieren zunehmend in klimafreundliche Technologien. Das reicht noch nicht, die Richtung stimmt aber - der Gastbeitrag.

Das internationale Klima-Abkommen steht – trotz der Skepsis in manchen Hauptstädten, allen voran in Washington. Bisher hat der angekündigte Rückzug der USA den Prozess nicht aufgehalten. Derzeit scheint es eine Art „Jetzt-erst-recht“-Bewegung zu geben. Das gilt für die Vereinigten Staaten selbst, wo sich inzwischen unzählige Gouverneure, Bürgermeister und Unternehmer zu den Pariser Zielen bekannt haben. Es gilt aber auch für die Staatengemeinschaft.

Aktuell haben 174 Staaten das Paris-Abkommen ratifiziert, 169 haben nationale Klimaschutzziele verabschiedet. Das sind mehr als drei Viertel aller UN-Mitglieder in nicht einmal drei Jahren. Auch wenn der Ambitionsgrad dieser Ziele von Land zu Land stark variiert, zeigen die Zahlen: Hier bewegt sich etwas. Das belegt im Übrigen auch die Verbreitung der erneuerbaren Energien, die weltweit zunehmen und nach UN-Angaben 2017 einen neuen Rekordzubau verzeichneten. Der „Klima-Zug“ bewegt sich.

Das muss auch so sein, wenn die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzt werden soll. Bewerkstelligen lässt sich das nur durch einen fundamentalen Wandel unserer Wirtschafts- und Energiesysteme. Die Transformation, die vor uns liegt, muss die Stromerzeugung genauso umfassen wie den Hausbau, unsere Mobilität oder die Landwirtschaft.

Und dafür wiederum braucht es neben dem politischen Willen und einem Bewusstseinswandel viel Geld. Nach Schätzungen des Weltwirtschaftsforums müssen jährlich mehr als fünf Billionen Dollar in grüne Infrastruktur investiert werden, der Großteil davon in Entwicklungsländern. Konkret bedeutet das: Wir müssen den Finanzsektor „begrünen“, damit Investitionen in klimafreundliche Technologien zunehmen und solche in rückwärtsgewandte Projekte sinken.

Dieser Prozess ist bereits im Gange. Fast alle Förder- und Entwicklungsbanken haben inzwischen ein Umwelt- und Klimaportfolio aufgebaut. Das trifft auch auf die KfW zu, die als einer der größten Finanziers auf diesem Gebiet weltweit ihre Ausgaben dafür kontinuierlich gesteigert und zuletzt 43 Prozent ihrer Fördersumme dafür aufgewendet hat. Seit 2010 hat die KfW hier 230 Milliarden Euro investiert. Angesichts des Finanzbedarfs reicht das nicht aus.

Deshalb muss es zudem darum gehen, das grüne Instrumentarium zu erweitern, damit die knappen öffentlichen Mittel größtmögliche Wirkung erzielen. Auch daran wird gearbeitet. Das können Versicherungslösungen sein, wie sie für Afrika oder die kleinen Inselstaaten existieren. Mit ihrer Hilfe können etwa von Wirbelstürmen getroffene Staaten nach einer Katastrophe rasch an Geld kommen und so die wirtschaftlichen Schäden begrenzen.

Auch „Green Bonds“ – Anleihen für klimafreundliche Schritte – sind ein vielversprechendes Instrument. Mit ihnen hat der Kapitalmarkt bereits einen guten Beitrag geleistet, das Thema Nachhaltigkeit bei Investoren ins Bewusstsein zu rücken, um künftig einen steigenden Teil der Klimainvestitionen zu finanzieren.

Solche grünen Finanzprodukte, die es erst seit einigen Jahren gibt, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Sie haben sich aus ihrer Nische herausentwickelt: Nach Angaben der Climate Bond Initiative wurden hier 2017 bereits 160 Milliarden Dollar investiert. Für 2018 sind zwischen 250 und 300 Milliarden Dollar prognostiziert.

Hinweise, dass die Dinge im Fluss sind, liefern zudem eine Reihe von neuen Gremien, wie der International Development Finance Club (IDFC), dem 23 Entwicklungsbanken angehören. Die Mitglieder teilen die Vision einer nachhaltigen Zukunft bei gleichzeitiger Armutsreduzierung. Zusammen haben sie 2016 knapp 175 Milliarden für grüne Finanzierungen aufgewendet, gut 20 Prozent mehr als noch 2015.

Und bei der „Innovate for Climate“, die dieser Tage erstmalig in Frankfurt stattfindet, treffen mehr als 1000 Vertreter von Regierungen, Banken und Privatwirtschaft aus aller Welt aufeinander, um über Wege nachzudenken, weitere Finanzmittel für klimafreundliche Technologien und Projekte aufzubringen.

All diese Entwicklungen zeigen, dass der Wandel bereits begonnen hat, ein Wandel, der – zusammen mit der Digitalisierung – in seiner Dimension mit der ersten industriellen Revolution vergleichbar ist. Die Aufgabe ist riesig, wir stehen erst am Anfang eines langen Prozesses, bei dem wir uns von vielen Gewohnheiten verabschieden müssen.

Auch reichen weder die Anstrengungen noch die verfügbaren Mittel, um die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß zu begrenzen. „Alles im grünen Bereich“ auszurufen, wäre also deutlich zu früh. Aber die eingeschlagene Richtung stimmt. Jetzt heißt es: Kurs halten und unbeirrt Schritt für Schritt weitergehen.

 

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