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Globalisierung Mit Bildung gegen Konflikte

Menschen, die lesen können, engagieren sich stärker für die Demokratie und machen sie krisenfester. Aber reicht das? Der Gastbeitrag.

Schule im Senegal
Kinder im Grundschulalter beim Unterricht in einer informellen Schule im senegalesischen Malika. Jedes Jahr werden derzeit 600.000 senegalesische Kinder im Grundschulalter nicht eingeschult. Foto: epd

In wenigen Wochen geht es auf dem G20-Gipfel in Hamburg um nichts weniger als um eine gerechte Gestaltung der Globalisierung. Deutschland möchte seine G20-Präsidentschaft nutzen, um die internationale Zusammenarbeit zu vertiefen und den wirtschaftlichen Fortschritt Afrikas nachhaltig voranzubringen.

Auch die Sorge um die Bedrohung von Sicherheit und Frieden weltweit steht zurecht hoch auf der G20-Agenda. Angesichts der wachsenden Zahl an Krisen ist es dringend geboten sich mit den Ursachen, aber auch mit Prävention von Konflikten und Fragilität auseinanderzusetzen. Hierbei sollten die G20 berücksichtigen, dass das Fehlen von qualitativ hochwertiger Bildung in diesem Kontext eine Schlüsselrolle spielt – und umgekehrt eine tragende Rolle in der Friedenskonsolidierung spielen kann.

Insbesondere wenn Bildungssysteme inklusiv sind, gegenseitiges Verstehen sowie Toleranz und Respekt fördern, können sie Gesellschaften widerstandsfähiger für Gewalt und Konflikte machen. Studien belegen dass Menschen, die lesen können, sich eher als andere in die demokratischen Institutionen ihrer Gesellschaft einbringen. Und wenn eine akute Krise abklingt, kann ein Land nur schwer wieder aufgebaut werden, wenn die Bevölkerung nicht einmal über die grundlegendsten Fertigkeiten wie Lesen und Schreiben verfügt.

Obwohl die Bedeutung von Bildung für die Prävention und Lösung von Konflikten sowie für wirtschaftlichen Aufschwung und Stabilität bekannt ist, können weltweit 75 Millionen Kinder zwischen drei und 18 Jahren nicht in die Schule gehen, weil sie in Krisen- oder Konfliktgebieten leben. Ohne Lernchancen und Ausbildungsmöglichkeiten drohen diese Kinder zu „verlorenen Generationen“ heranzuwachsen. Perspektivlosigkeit in den Heimatländern führt zu Flucht und destabilisiert die Gesellschaften.

Aber nicht nur in instabilen Regionen erleben wir eine Bildungskrise. Weltweit gehen 263 Millionen Kinder und Jugendliche nicht in die Schule, die Mehrheit lebt in Entwicklungsländern. Und die Zahl steigt: In Afrika wächst aktuell die größte Jugendgeneration aller Zeiten heran. Wenn diese jungen Menschen die Chance dazu bekommen, können sie zum ökonomischen Aufschwung beitragen, den Entwicklungsländer oft dringend benötigen, um sich aus der Armut zu befreien.

Wenn wir es diesen Mädchen und Jungen ermöglichen zu lernen, können sie auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich sein, ihre Familie ernähren und ein besseres Leben in ihren Heimatländern führen. Für diese jungen Menschen ist Bildung der Schlüssel für ein besseres Leben. Für uns alle ist die Ausbildung dieser Kinder eine Investition in eine stabilere und friedlichere Zukunft. Die G20 sollten dazu aufrufen, weltweit gerechten Zugang zu Bildung für alle zu gewährleisten.

Dieses Jahr ist wichtig für die Finanzierung von Bildung. Darum fordern wir die G20 auf, die notwendige externe und nationale Finanzierung von Bildung dringend anzugehen, insbesondere in den ärmsten Ländern.

Der Bundesregierung kommt hierbei eine besondere Rolle zu. Nicht nur hat sie dieses Jahr den G20-Vorsitz. Sie ist auch aktiv in der globalen Bildung, insbesondere in der Berufsausbildung. Dieses Engagement ist notwendig – aber wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, dass es einer soliden Basis bedarf, um einen Beruf zu erlernen: Grundbildung.

Um Kindern und Jugendlichen Lernen zu ermöglichen, müssen Entwicklungsländer es schaffen, stabile Bildungssysteme aufzubauen. Die Globale Bildungspartnerschaft (GPE) ist hierzu das geeignete Instrument. Sie bringt Regierungen von Entwicklungs- und Geberländern, internationale Organisationen, die Zivilgesellschaft, Lehrkräfte und den Privatsektor zusammen und mobilisiert Mittel von öffentlichen und privaten Gebern weltweit.

Es gelingt ihr auch, dass die Partnerländern schrittweise und dauerhaft ihre Mittel für Bildungsausgaben erhöhen. Schon jetzt sind es die Länder selber, die bei weitem den größten Teil der Finanzierung aufbringen und bereits viel erreicht haben: Mit Hilfe der GPE konnten 2014 64 Millionen Kinder mehr eine Grundschule besuchen als noch im Jahr 2002. Aber um wirklich jedes Kind zu erreichen, brauchen diese Länder internationale Hilfe.

Ende des Jahres bietet die Geberkonferenz der Bildungspartnerschaft der Bundesregierung die Gelegenheit, ihre Führung im Bildungsbereich auszubauen und ein starkes Signal für Bildung und damit für eine gerechter gestaltete Globalisierung zu setzen.

Gesine Schwan ist Schirmherrin der Globalen Bildungskampagne

Alice Albright ist Geschäftsführerin der Bildungspartnerschaft

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