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Gewalt im Netz Frauen sind Zielscheibe von Hass

Vor allem Bloggerinnen und Netz-Journalistinnen werden häufig verbal angegriffen. Wie lässt sich Gewalt im Netz unterbinden? Ein Gastbeitrag von Greta Olson und Sara Polak.

Hass im Netz
US-Präsident Donald Trump startete im Wahlkampf 2016 eine systematische Online-Hetzkampagne gegen Hillary Clinton. Foto: Imago

Hetze und Gewalt im Netz sind ernstzunehmende politische Faktoren. Dies belegen nicht nur Tweets von Donald Trump. Bürgerinnen und Bürger, die der US-Präsident mit seinen Kurznachrichten ins Visier nimmt, müssen einen „Shitstorm“ in Form von Online-Hassreden sowie die Veröffentlichung ihrer Adresse und anderer Privatdaten erwarten.

Das zeigten auch die „Trolle für Trump“, ein rechtsextremes Internetkollektiv, das zur Zeit des US-Wahlkampfes 2016 eine systematische Online-Hetzkampagne gegen die demokratische Kandidatin Hillary Clinton führte. Auf den ersten Blick mag es wie eine spontane Bewegung von Wählern gewirkt haben. Tatsächlich handelte es sich um eine professionell koordinierte Gruppe von Menschen.

„Shitstorm“ in Form von Online-Hassreden

„Trolle für Trump“ verwendete „hashtags“ - also Verschlagwortungen, mit deren Hilfe sich Tweets zu bestimmten Themen finden lassen – für ihre Kampagnen. Eine vergleichbare Gruppe zur Zeit des deutschen Wahlkampfes war „Reconquita Germanica“. Und auch jetzt, während die ersten Menschen, die mit der Russland-Affäre in Verbindung gebracht wurden, angeklagt worden sind, sieht man auf Online-Plattformen wieder neue Armeen von Trollen.

Plattformen wie Facebook präsentieren ihren Besuchern und Nutzern eine auf Algorithmen basierende Selektion von politischen Perspektiven, die auf ihre jeweiligen Interessen abgestimmt sind. Da Werbeeinnahmen für diese kommerziellen Unternehmen wichtig sind, will Facebook seine Benutzer gar nicht mit Botschaften konfrontieren, die ihnen politisch unangenehm sein könnten.

Berücksichtigt man, dass viele Menschen – unter den 18- bis 24-Jährigen sind es bereits 28 Prozent – ihre Nachrichten primär aus den sozialen Medien beziehen, wird klar, dass die „Filterbubble“ größere gesellschaftliche Zusammenhänge verschleiert. Ob Klimawandel ein „Schwindel“ oder eine durch die überwiegende Mehrheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestätigte Tatsache ist, hängt bei einem Empfänger der Nachricht davon ab, woher er eine Neuigkeiten bezieht. Wie der ehemalige US-Präsident Barack Obama einmal feststellte, sieht die Facebook-Seite eines Nobelpreisträgers, der Klimaerwärmung erklärt, nicht anders aus als die eines Klimaschutz-Gegners.

Wie reagieren auf den Troll?

Was kann man dagegen tun? Was ist Online-Gewalt? Mit Fragen wie diesen beschäftigte sich jüngst an der Justus-Liebig-Universität Gießen eine Konferenz mit dem Titel „Online Vitriol“. Antworten zu geben ist nicht leicht. Schließlich lässt sich häufig nicht klären, ob es sich bei einem Tweet um eine Kurznachricht eines Trolls handelt, der politisch motiviert ist und mit hässlichen Botschaften, Bedrohungen oder Erniedrigungen andere Stimmen zum Schweigen bringen will. Es könnte sich aber auch um jemanden handeln mit einer entgegengesetzten Meinung. Und wie soll man auf einen Troll reagieren? Sollte man ihnen redlich antworten, wie eine deutsche Facebook-Gruppe #ichbinhier es vorschlägt? Oder sollte man auf Hassrede im Netz gar nicht reagieren?

Zielscheibe von Hetze oder Bedrohungen im Netz sind insbesondere Frauen und nicht-weiße Journalisten. Attacken auf Frauen nehmen in der Regel drei Formen an. Entweder eine Bloggerin, Tweeterin oder Online-Journalistin ist demnach zu wenig informiert, um sich zu dem Thema zu artikulieren. Oder sie wird als zu hässlich oder zu dick diffamiert, um sie unglaubwürdig zu machen. Nicht selten wird gedroht, sie zu vergewaltigen.

Face Shaming und Vergewaltigungsdrohungen

Während Akademiker und Aktivisten anfangen zu begreifen, was die gesellschaftlichen und kulturellen Effekte der Verschiebung der öffentlichen Debatte auf soziale Netzwerke bedeutet, marschieren die autoritären Kräfte bereits weiter.

Donald Trump und Wladimir Putin hatten beim G20-Gipfel in Hamburg beschlossen, eine „Cyber Security-Einheit“ voranzutreiben, die angeblich die Einmischung ausländischer Interessen in nationale Wahlkämpfe verhindern sollte – ein Witz, wenn man den Einfluss der russischen Attacken im US-Präsidentschaftswahlkampf bedenkt. Daher bleibt die Frage zentral, wie Politiker und Unternehmen mit Facebook und Twitter umgehen sollten, um die öffentliche Debatte in Zeiten der Dominanz der sozialen Medien zu schützen.

Die Autorinnen: Greta Olson ist Professorin für englische und US-Literatur an der Justus-Liebig-Uni Gießen. Sara Polak ist Assistenzprofessorin an der Uni Leiden und arbeitet derzeit an der Uni Gießen.

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