Lade Inhalte...

Gastbeitrag Umparken im Kopf

Die Politik sollte beim Klimaschutz nicht nur auf E-Mobilität im Verkehr setzen. Sie sollte zudem den Emissionshandel intensivieren.

Teuer und wirkungslos – das ist die Energiewende in Deutschland. Über 600 Milliarden werden bis 2038 in erneuerbare Energien investiert, ohne dass wir uns den Klimazielen annähern. Dabei steigen die Stromkosten in schwindelerregende Höhen. Immerhin: Die verantwortlichen Akteure haben erkannt, dass auf dem Stromsektor allein der Kampf gegen CO2-Emissionen nicht zu gewinnen ist. Für eine erfolgreiche Energiewende müssen auch der Verkehrs- und Gebäudesektor einbezogen werden. Doch wie müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen aussehen, damit wir unsere selbst gesteckten Klimaziele diesmal erreichen?

Für das „grüne“ Spektrum ist die Lösung klar: Der Verbrennungsmotor wird verboten und die E-Mobilität richtet es. Dieser Ansatz ist ähnlich kurzsichtig wie das bald 20 Jahre alte Erneuerbare-Energien-Gesetz. Es fehlt eine ökologische Analyse der E-Mobilität wie auch eine Abschätzung der ökonomischen Folgen.

Allein die Herstellung der Batterien ist ein ökologisches Desaster. Schwedische Wissenschaftler haben errechnet, dass ein größeres E-Auto circa acht Jahre fahren muss, um die CO2-Sünden der Batterieherstellung wieder auszugleichen. Bevor das Elektroauto also überhaupt einen Kilometer gefahren ist, hat es schon einen großen Rucksack an ökologischen Missetaten geschultert – ähnlich groß, wenn nicht sogar größer als mancher Pkw mit Verbrennungsmotor. Außerdem ist zu fragen, welchen Strom das Elektroauto tankt. Immer regenerativen Strom? Mitnichten, die Mehrheit unserer Stromversorgung emittiert nach wie vor CO2. Da die Erzeugung von Wind- und Sonnenstrom recht launenhaft sind, wird sich daran auch so bald nichts ändern.

Trotz der vielen offenen Fragen: E-Mobilität muss es nach Ansicht vieler Politiker sein. Andere Lösungswege werden nicht eingeschlagen. Biokraftstoffe spielen in der Diskussion kaum eine Rolle. Regenerativ produzierte Gase ebenfalls nicht. Dabei sind Forschung und Entwicklung hier schon sehr weit. Unternehmer aus Dresden sind beispielsweise auf dem besten Weg, CO2-neutrale Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren zu wettbewerbsfähigen Preisen herzustellen.

Für den Standort Deutschland bedeutet der einseitige Fokus auf E-Mobilität einen gravierenden Nachteil. Eine weltweit führende Branche wird im internationalen Wettbewerb extrem geschwächt. Mit ihrer Spitzentechnologie – dem Verbrennungsmotor „made in Germany“ – hat die deutsche Automobilindustrie es geschafft, sich international an die Spitze zu setzen. Jeder will deutsche Autos. Nur deutsche Politiker verteufeln diese, weil ein im weltweiten Vergleich einzigartig sauberer Motor für sie noch nicht gut genug ist.

Doch warm werden die Deutschen nicht mit dem E-Auto – trotz staatlich geförderter Kaufprämie. 34 022 Elektroautos sind 2017 durch Deutschland gefahren. Stellt man dem die ausgestellten Führerscheine (37 516 900) gegenüber, fährt nicht einmal 0,1 Prozent der Bevölkerung ein E-Auto. Wenn die Grünen dann fordern, bis 2030 Benzin- und Dieselmotoren zu verbieten, kann man ihnen entweder unbegrenzten Optimismus vorwerfen oder Eskapismus.

Aber warum werden E-Autos von der Bevölkerung nicht angenommen? Wenn Menschen auf dem Land wohnen, hadern sie mit der Reichweite und in Großstädten sind sie meistens froh, überhaupt einen Parkplatz in der Nähe zu finden. Wenn man dann noch eine Ladestation sucht, bedeutet das einen Fußmarsch von 30 Minuten und mehr.

In Hamburg gibt es beispielsweise nur 157 Ladestationen. Bei dieser Infrastruktur lohnt es sich nicht, ein E-Auto zu fahren. Doch viel mehr Ladestationen sind gar nicht möglich, ohne vielerorts das Stromnetz zu überfordern. Im Ergebnis bedeutet E-Mobilität den milliardenschweren Ausbau der Stromverteilnetze – zu zahlen durch die Stromverbraucher.

Fakt ist: Eine Reduktion des Klimaschutzes im Verkehrssektor auf die E-Mobilität ist – ganz in Tradition der Energiewende insgesamt – weder ökonomisch noch ökologisch durchdacht.

Die Lösung: ein technologie- und sektorübergreifender Emissionshandel, der die Menge der erlaubten CO2-Emissionen festlegt, den Weg dorthin aber offenlässt. Ein Emissionshandel sichert den Klimaschutz ohne Wenn und Aber, indem er die Suche nach dem effektivsten Einsparpotenzial denjenigen überlässt, die es am besten können. Nicht den politischen Ideologen, sondern den Unternehmern, Ingenieuren, Forschern, kurz: Markt und Gesellschaft.

Ob regenerative Gase, Brennstoffzellen, E-Mobilität oder was auch immer die Zukunft bestimmen – das weiß keiner. Für die Politik kann das nur heißen, einen Rahmen zu schaffen, der den Klimaschutz sichert und Innovationen befördert. Dafür müssten aber die Politiker, die für Energie und Klima zuständig sind, endlich umparken im Kopf.

Reinhold von Eben-Worlée ist Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum