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Gastbeitrag Mit Galileo und Copernicus nach vorn

Europa investiert im Weltraum, und hier auf der Erde profitieren wir. Das Navigationssystem etwa hilft uns auf Reisen.

Die Europäische Union hat Ende des vergangenen Monats vier neue Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo ins All geschickt. Sie werden dafür sorgen, dass Galileo noch präzisere Signale sendet. Dies ist der nächste Schritt, um Galileo bis 2020 zum weltweit besten Satellitennavigationssystem zu machen.

Aber was haben Sie davon, was im Weltraum geschieht, werden Sie sich womöglich fragen? Ein Teil der Antwort liegt sprichwörtlich auf der Hand. Dank des Navigationssystems Galileo werden Sie auf dem Kartendienst Ihres Smartphones auf 20 Zentimeter genau sehen können, wo Sie sich befinden. Das ist besser als das System GPS. Und die Wirtschaft greift es auf: Allein im vergangenen Jahr wurden rund 75 Millionen Galileo-fähige Mobiltelefone verkauft.

Bei Galileo geht es aber um mehr als nur Karten und Apps. Die Signale werden für das moderne Bankwesen, Satellitenfernsehen, Verkehrsmanagement und den Eisenbahnbetrieb verwendet. Mithilfe der Daten können wir das Stockwerk bestimmen, von dem aus eine Person einen Notruf sendet.

In Zukunft werden selbstfahrende Autos oder künstliche Intelligenz nicht ohne Satellitennavigation entwickelt werden können. Und dies ist erst der Anfang: Galileo wird zu vielen neuen Anwendungen und Diensten führen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Über diese praktischen Verwendungszwecke hinaus ist Galileo für Europa auch ein Projekt von strategischer Bedeutung. Es macht uns eigenständiger und unabhängiger, ob für wirtschaftliche oder militärische Zwecke. Investitionen in Galileo helfen uns, mit den Vereinigten Staaten Schritt zu halten und nicht von Russland oder China überholt zu werden.

Und Galileo ist nur ein Teil unseres Engagements im Weltraum. Europa hat das weltweit beste Satelliten-Erdbeobachtungsprogramm entwickelt: Copernicus. Mit dem Programm können wir unseren Planeten, seine Atmosphäre, seine Ozeane und Kontinente überwachen. Mit sieben Satelliten in der Umlaufbahn wird Copernicus bald der weltweit größte Datenlieferant nach Google sein.

Es verschafft uns auch Zugang zu den genauesten Klima- und Umweltdaten, die dazu noch kostenfrei, offen und rund um die Uhr verfügbar sind. Diese Daten werden für Rettungseinsätze bei Waldbränden, Überschwemmungen, Wirbelstürmen und Erdbeben verwendet.

Die Satelliten helfen uns bei der Präzisionslandwirtschaft oder bei der Überwachung des Klimawandels und der Umweltverschmutzung in Städten. Und wir wollen noch einen Schritt weiter gehen. Unser Ziel ist es, Copernicus zum weltweit führenden System für die Überwachung der Verpflichtungen des Pariser Klimaschutzübereinkommens zu machen.

Durch Copernicus bekommt Europa die Technologie, die seiner Führungsrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels angemessen ist. So hat sich Europa mit Galileo und Copernicus als echte Weltraummacht etabliert und steht hier weltweit an zweiter Stelle.

Die Weltraumwirtschaft erlebt derzeit einen tiefgehenden Wandel: Neue Akteure betreten die Bühne, revolutionäre Technologien und neuartige Geschäftskonzepte kommen auf. Wir müssen rasch handeln, um am Ball zu bleiben. Das heißt, wir müssen in die Raumfahrt investieren, ein neues Weltraumkonzept entwerfen und Wechselwirkungen mit Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen nutzen.

Das spiegelt sich in den Vorschlägen der Europäischen Kommission für ein neues Weltraumprogramm der Europäischen Union im Umfang von 16 Milliarden Euro für die Zeit nach 2020 wider. Galileo und Copernicus werden dadurch größer, besser und leistungsfähiger werden.

Es werden neue Sicherheitskomponenten entwickelt, beispielsweise gesicherte Satellitenkommunikation und ein System zur Beobachtung und Verfolgung von Objekten im Weltraum. Wir werden den eigenständigen Zugang Europas zum Weltraum unterstützen und Start-ups in der Branche helfen, damit sie florieren und wachsen.

Die europäische Weltraumpolitik ist das perfekte Beispiel für eine erfolgreiche europäische Zusammenarbeit. Kein EU-Mitglied hätte dies völlig allein schaffen können. Mit Blick auf die Zukunft müssen wir unsere Projekte weiterführen.

Mit dem Vorschlag der Kommission für ein Weltraumprogramm der Europäischen Union nach 2020 haben die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament nun die Möglichkeit, uns in unserem Streben nach einer globalen Führungsposition im Weltraum zu stärken: Europa und seine Bürgerinnen und Bürger werden es ihnen dann sicher danken.

Elzbieta Bienkowska ist EU-Binnenmarktkommissarin.

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